Köln (epd). Islamverbände haben den offenbar islamistisch motivierten Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin verurteilt und zu Zusammenhalt aufgerufen. „Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte unseres Zusammenlebens angegriffen“, erklärte der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) am Montag in Köln. Der größte deutsche Moscheeverband Ditib verurteilte den Anschlag „sowie jede Form von Terrorismus, Extremismus und menschenverachtender Gewalt auf das Schärfste“. Der Verband Milli Görüs sprach von einem „abscheulichen Angriff“, der durch nichts zu rechtfertigen sei.
Die eng mit der türkischen Religionsbehörde verbundene Türkisch-Islamische Union (Ditib) nannte Extremismus eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Extremisten wollten Angst und Spaltung in der Gesellschaft säen und schreckten nicht vor Gewalt gegen Menschen zurück, die aufgrund ihrer Identität, ihrer Überzeugungen oder ihrer Lebensführung angefeindet würden. Das widerspreche „den Grundwerten unserer Religion“ und den Prinzipien des Rechtsstaates. Der Verband fordert eine klare und entschlossene Haltung gegen jede Form von Extremismus und Menschenfeindlichkeit.
Missbrauch von Religion für Hass und Gewalt
Der Zentralrat der Muslime erklärte, sollte sich der Verdacht einer islamistischen Motivation des Täters bestätigen, „wäre dies ein weiterer Fall, in dem eine extremistische Ideologie religiöse Bezüge missbraucht, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen sowie Menschen gegeneinander aufzubringen“. Wer Religion instrumentalisiere, um Hass zu schüren oder Gewalt auszuüben, handle gegen die ethischen Grundsätze des Islam und missbrauche den Glauben. Niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Orientierung, Religion oder Herkunft das Ziel von Gewalt werden: „Unsere Antwort auf Hass und Gewalt muss der gemeinsame Einsatz für Menschenwürde, Freiheit, Sicherheit und ein friedliches Zusammenleben sein.“
Auch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs betonte: „Wer Menschen angreift, ermordet oder in Angst versetzt, handelt nicht im Namen des Islams, sondern folgt einer menschenverachtenden Wahnideologie.“ Er missbrauche Religion, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen, erklärte Generalsekretär Ali Mete am Sonntagabend in Köln. Dafür dürfe es weder religiöse noch politische Entschuldigungen geben.
Ein 21-Jähriger, der als islamistischer Gefährder galt, war den Ermittlungen zufolge während des Berliner CSD mit einem Transporter in die Menschenmenge im Tiergarten gefahren. Anschließend soll er Menschen mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Eine Frau wurde bei dem Anschlag getötet, 29 Menschen wurden verletzt.



