Trauer und Entsetzen nach Anschlag auf Berliner CSD

Trauer und Entsetzen nach Anschlag auf Berliner CSD
Mutmaßlich islamistischer Angriff - Suche nach Täter läuft
Nach der tödlichen Attacke auf den Berliner CSD gehen die Sicherheitsbehörden von einem islamistisch motivierten Anschlag aus. Nach dem polizeibekannten Tatverdächtigen wird gefahndet. In der Marienkirche wird am Nachmittag der Opfer gedacht.
26.07.2026
epd
Von Jens Büttner (epd)

Berlin (epd). Nach der Attacke am Rande des Christopher Street Days in Berlin haben Spitzenvertreter aus Politik und Gesellschaft ihre Anteilnahme mit den Opfern ausgedrückt und eine entschiedene Reaktion des Staates angekündigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, solche Taten hätten nur einen Zweck, nämlich die Gesellschaft zu spalten und ihr Offenheit und Freiheit zu nehmen. „Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern“, sagte Merz vor einer Trauerandacht in der Marienkirche am Alexanderplatz. Dort waren am Sonntagnachmittag mehrere Hundert Menschen zusammengekommen, um der Opfer und ihrer Angehörigen zu gedenken.

Gefahndet wird im Zusammenhang mit dem Anschlag seit der Nacht zum Sonntag nach einem 21 Jahre alten Mann. Der Tatverdächtige soll am späten Samstagabend mit einem Kastenwagen in die Menschenmenge im Tiergarten gefahren und anschließend mit einer Stichwaffe auf weitere Passanten losgegangen sein. Die Sicherheitsbehörden gehen laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) von einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag aus. Laut Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) soll die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich ziehen.

Radikalisierter Tatverdächtiger

Laut Dobrindt war der mutmaßliche Täter in der Vergangenheit durch ein hohes Maß an Straftaten, durch Radikalisierung und die Zugehörigkeit zur islamistischen Szene aufgefallen. Die Suche nach ihm lief am Sonntag auf Hochtouren. Laut Bundesinnenminister gab es bei dem Anschlag ein Todesopfer und insgesamt 29 Verletzte, einige davon schwer.

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin und die Präsidentin des Kammergerichts informierten am frühen Sonntagabend zu früheren Verfahren gegen den Tatverdächtigen. Demnach liegen unter anderem Verurteilungen wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung sowie wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Zuletzt gab es demnach Anfang Juli bei ihm Durchsuchungsmaßnahmen wegen des Anfangsverdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz. Laut Dobrindt ist der Tatverdächtige deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund.

Anteilnahme und Entsetzen

Die Tat löste in Politik und Gesellschaft Entsetzen und breite Anteilnahme aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte im nordrhein-westfälischen Hamm: „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, die Bundesregierung werde alles tun, um den oder die Täter so schnell wie möglich zu fassen. Über Konsequenzen werde mit Entschlossenheit und Besonnenheit entschieden. Merz betonte: „Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen.“

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem Anschlag auf „die Art und Weise unseres Zusammenlebens“. „Damit muss Schluss sein“, betonte er. An der Andacht in der Marienkirche nahmen neben Merz und Hubig weitere Mitglieder der Bundesregierung teil, darunter Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein sagte, Gewalt im Namen der Religion auszuüben, sei Gotteslästerung.