CSD in Berlin: Entsetzen über Anschlag auf Feier der Vielfalt

CSD in Berlin: Entsetzen über Anschlag auf Feier der Vielfalt
Nach der Todesfahrt beim Berliner CSD geht die Polizei von einem islamistisch motivierten Anschlag aus und fahndet nach einem polizeibekannten Tatverdächtigen. Politik und Gesellschaft sind entsetzt über die Gewalttat.
26.07.2026
epd
Von Yvonne Jennerjahn (epd)

Berlin (epd). Die Gewalttat beim Christopher Street Day in Berlin wird von Polizei und Generalstaatsanwaltschaft als islamistischer Anschlag eingestuft. Es werde nach einem 21 Jahre alten Tatverdächtigen gefahndet, teilten die beiden Behörden in der Nacht zum Sonntag mit. Bei dem Tatverdächtigen handele es sich nach bisherigen Erkenntnissen um einen polizeibekannten Mann, der dem islamistischen Spektrum zugerechnet werde. Vertreter aus Politik und Gesellschaft äußerten ihr Entsetzen über den Anschlag. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einer abscheulichen Tat.

Bei dem Anschlag wurden nach Polizeiangaben am Samstagabend gegen 22 Uhr im Berliner Tiergarten mehrere Menschen durch ein fahrendes Fahrzeug und mehrere Personen durch Stichwerkzeuge verletzt. Ein Mensch sei dabei uns Leben gekommen, 16 weitere seien verletzt worden.

Angriff auf freie Gesellschaft

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte, die Gewalttat sei „ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. Nach einem friedlichen und bunten CSD „wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert“. Berlin sei die Stadt der Freiheit, diese Freiheit sei mit dem Anschlag „aufs Schrecklichste angegriffen worden“. Seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Familien und Freunden.

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) erklärte, wer Menschen angreife, die für Vielfalt, Freiheit und gegenseitigen Respekt einstehen, „greift uns alle an, unsere offene und tolerante Gesellschaft und damit das Herz unserer Demokratie“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer feigen und abscheulichen Attacke auf friedlich feiernde Menschen.

Gebete für alle Betroffenen

Auch der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch äußerten sich entsetzt über die Gewalttat. Stäblein erklärte, aus einem Tag voller Vielfalt und Liebe sei „eine Nacht voller Entsetzen“ geworden. Koch sagte, es sei schrecklich, „ein so frohes und bewegendes Fest brutal zu zerstören“.

Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, betonte, Gedanken und Gebete seien „bei den Angehörigen des Todesopfers, bei den Verletzten, ihren Familien und bei allen, die vor Ort Angst, Schrecken und Gewalt miterleben mussten“. Zum Christopher Street Day habe die Kirche betont, dass Liebe und queeres Leben den Schutz der Gemeinschaft bräuchten.

Erzbischof Koch betonte, die Kirche sei mit Gebeten und Fürbitten bei Opfern und Angehörigen und „bei allen, denen der Hass die Freude genommen hat“. Sie stehe für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft. Hass dürfe nicht gewinnen.

Für Menschenrechte und Vielfalt

Unter dem Motto „Haltung ist hot“ hatten beim 48. CSD in Berlin am Samstag Hunderttausende für Menschenrechte und Vielfalt demonstriert. Dabei wurde unter anderem mehr Sicherheit für queere Menschen gefordert. Vor Beginn der Pride-Parade war an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Die Veranstaltung wurde nach dem Vorfall abgebrochen. Der Christopher Street Day (CSD) erinnert an einen Aufstand der Homosexuellen-Community 1969 in New York.