Zahl extremistischer Gewalttaten steigt im Südwesten stark an

Zahl extremistischer Gewalttaten steigt im Südwesten stark an
Der Verfassungsschutzbericht für Baden-Württemberg zeigt eine starke Zunahme politischer Gewalt. Während Rechtsextreme deutlich mehr Gewalttaten begangen haben, gibt es auch bei Linksextremen und Islamisten bedrohliche Trends.

Stuttgart (epd). Die politisch motivierte Gewalt von Extremisten hat in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten habe sich mit 97 Fällen im Vergleich zum Vorjahr (54 Fälle) fast verdoppelt, geht aus dem am Freitag in Stuttgart veröffentlichten Verfassungsschutzbericht hervor. Bei den Linksextremisten sei die Zahl der Gewalttaten von 34 auf 49 gestiegen. Die Gesamtzahl linksextremistischer Straftaten wuchs den Angaben nach um knapp 80 Prozent auf 608.

Der Rechtsextremismus erreichte laut Verfassungsschutz mit 3.790 Anhängern einen Höchststand. Die Zahl der Extremisten innerhalb des AfD-Landesverbands, den die Behörde als Verdachtsfall einstuft, ist nach Schätzungen von 1.170 im Jahr 2024 auf 1.730 gestiegen. Bei der Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) habe sich die Mitgliederzahl auf 60 vervierfacht.

Junge Islamisten radikalisieren sich

Sorgen bereiten dem Verfassungsschutz auch Entwicklungen im islamistischen Spektrum. Der Bericht stellt eine „deutliche Zunahme von Radikalisierungen unter Minderjährigen“ fest. Jugendliche teilten in Chatgruppen nicht nur Propaganda, sondern auch Hinrichtungsvideos und Anleitungen zum Bombenbau.

Der Bericht führt zudem erneut zwei christliche Organisationen als Beobachtungsobjekte auf. Die „Evangelische Freikirche Riedlingen“ und ihr Hauptverantwortlicher Jakob Tscharntke untergraben laut Verfassungsschutz mit staatsfeindlichen Predigten und Verschwörungsideologien das Vertrauen in die Demokratie. Die „Baptistenkirche Zuverlässiges Wort Pforzheim“ verbreite massive Queerfeindlichkeit, fordere die Todesstrafe für homosexuelle Menschen und äußere sich demokratiefeindlich und antisemitisch. Beide Gemeinden sind unabhängig und gehören keinem der etablierten Freikirchen-Verbünde an.