Kurhessische Bischöfin: Entwicklungszusammenarbeit ist politisch klug

Kurhessische Bischöfin: Entwicklungszusammenarbeit ist politisch klug
Beate Hofmann sieht die Kürzungen im Etat des Entwicklungsministeriums mit Sorge. Es sei kurzsichtig, vor allem in Militär zu investieren, sagte die Bischöfin, die den Aufsichtsrat des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung leitet.
24.07.2026
epd
epd-Gespräch: Karsten Frerichs

Kassel (epd). Die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann kritisiert die fortlaufenden Kürzungen im Bundeshaushalt bei den Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. „Über Jahrzehnte war es politischer Konsens, dass Entwicklungszusammenarbeit nicht nur menschlich geboten, sondern auch politisch klug ist. Sie verhindert die Kriege von morgen. Dieser Konsens besteht nicht mehr“, sagte Hofmann, die den Aufsichtsrat des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung leitet, zu dem die Organisationen „Brot für die Welt“ und die Diakonie Katastrophenhilfe gehören.

Sie nannte es „kurzsichtig, allein darauf zu schauen, wie Deutschland möglichst schnell viel Geld in seine militärische Verteidigungsfähigkeit stecken kann“. „Denn Entwicklungszusammenarbeit reduziert die Zahl von Armutsflüchtlingen, sie reduziert Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Welt, die zu Konflikten führen“, sagte die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Das senke das kriegerische Potenzial weltweit.

„In größeren Bögen denken“

Sie beklagte auch mit Blick auf den Schutz des Klimas kurzfristiges Denken. „Wir werden bestimmte Probleme wie die Klimakatastrophe nur lösen können, wenn wir tatsächlich in größeren Bögen denken, wenn wir multinational denken und auch nicht nur von einer Wahlperiode zur nächsten“, sagte Hofmann.

„Wir müssen bereit sein, Entscheidungen zu treffen, die jetzt schmerzhaft sind“, fordert sie. Zu Einschnitten seien die Menschen aus ihrer Sicht durchaus bereit.

„Ich finde es interessant, wo Menschen gerade Urlaub machen. Es gibt die einen, die fliegen weiter wild durch die Gegend. Aber es gibt doch auch viele, die ihre Urlaubsgewohnheiten verändert haben“, sagte Hofmann. Und etliche hätten jetzt beim Iran-Krieg gesagt: „So, das ist der Zeitpunkt, wo mein Benzin-Auto abgeschafft wird.“ Ganz viele Leute würden Wärmepumpen kaufen, aus Überzeugung und weil sich das dann irgendwie doch rechnet.