Jede fünfte Familie hat nur ein Elternteil

Jede fünfte Familie hat nur ein Elternteil
Alleinerziehende Mütter trotz Vollzeitjob oft armutsgefährdet
In Deutschland gibt es inzwischen etwas weniger Alleinerziehende als vor zehn Jahren. Erziehen Mütter Kinder allein, arbeiten sie häufiger Vollzeit als Frauen in Paarfamilien und sind dennoch überdurchschnittlich oft armutsgefährdet.
23.07.2026
epd
Von Karsten Frerichs und Susanne Rochholz (epd)

Wiesbaden (epd). Die Zahl der Alleinerziehenden ist zwischen 2015 und 2025 etwas gesunken. Doch sie leben deutlich öfter in prekären Verhältnissen als Paarhaushalte mit Nachwuchs, wie an der Armutsgefährdungsquote abzulesen ist: Sie ist bei Ein-Eltern-Familien mehr als doppelt so hoch wie in Paar-Haushalten mit einem Kind oder mehreren Kindern. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2025 und Vergleichszahlen seit 2015 hervor, die die Behörde am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlichte.

Laut der Statistik hat ungefähr jede fünfte Familie mit Kindern unter 18 Jahren nur ein Elternteil. 2025 habe es 1,62 Millionen Alleinerziehende in Deutschland gegeben, 2015 noch 1,65 Millionen. Der Anteil der Alleinerziehenden-Familien an allen Familien mit minderjährigen Kindern lag 2015 bei 20,5 Prozent und bei 19,5 Prozent im vergangenen Jahr. Insgesamt lebten laut Bundesamt rund 2,36 Millionen Kinder unter 18 Jahren 2025 mit nur einem Elternteil zusammen. Das waren 16,8 Prozent aller Minderjährigen in Deutschland.

Änderungen bei Unterhaltsvorschuss

Die meisten Alleinerziehenden sind den Angaben zufolge nach wie vor weiblich. 2025 gab es 1,37 Millionen alleinerziehende Mütter. Damit waren 84,4 Prozent der Alleinerziehenden Frauen. Zehn Jahre zuvor hatte ihr Anteil bei 88,9 Prozent gelegen. Zuletzt gab es 253.000 alleinerziehende Väter, die mit ihren minderjährigen Kindern in einem Haushalt lebten.

Nach Plänen von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) soll ein staatlicher Unterhaltsvorschuss künftig nur noch für Kinder unter 16 Jahren gewährt werden. Bisher liegt die Altersgrenze bei 18 Jahren. 2025 waren 15,8 Prozent der minderjährigen Kinder von Alleinerziehenden 16- und 17-Jährige, das waren 373.000 Jugendliche. Betroffen von der Reform des Unterhaltsvorschusses wäre etwa ein Fünftel der Familien Alleinerziehender.

Alleinerziehende Mütter hatten laut der Statistik häufiger einen Vollzeitjob als Mütter mit einem Partner oder einer Partnerin. 2025 arbeiteten 38,6 Prozent der 956.000 erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter 18 Jahren in Vollzeit, dagegen nur 30,7 Prozent der Mütter, die in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft lebten. Insgesamt lag die Erwerbstätigenquote von Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren im vergangenen Jahr bei 71,8 Prozent. Väter (82,8 Prozent) waren dabei häufiger erwerbstätig als Mütter (69,8 Prozent).

Armutsgefahr Ein-Eltern-Familie

Gleichwohl, so hieß es weiter, seien Alleinerziehende und ihre Kinder „besonders stark von Armutsgefährdung betroffen“: In der Gesamtbevölkerung seien es 16,1 Prozent, bei Alleinerziehenden und ihren Kindern hingegen 28,9 Prozent.

Angesichts der Zahlen äußerten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und „Save the Children“ scharfe Kritik an dem Vorhaben der Bundesregierung, den Unterhaltsvorschuss zeitlich einzuschränken. DGB-Vize Elke Hannack nannte es „ein absolut falsches Zeichen“ an den Nachwuchs von Alleinerziehenden: „Chancen und Teilhabe werden eingeschränkt, wenn Elternteile ihren Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommen - und nun können sie noch nicht einmal auf die Unterstützung durch den Staat vertrauen.“ Sollte die Änderung beim staatlichen Unterhaltsvorschuss wie geplant kommen, würde die Regierung laut „Save the Children“ sehenden Auges zulassen, „dass Familien, die bisher gerade noch über die Runden kamen, in die Grundsicherung abrutschen könnten“.