Köln (epd). In Deutschland sinken laut einer Umfrage Einfühlungsvermögen und Mitgefühl unter den Menschen. Laut dem „Empathie-Report“ der Zurich Versicherung haben 83 Prozent der Deutschen in den vergangenen fünf Jahren im Alltag ein spürbares Nachlassen empathischen Verhaltens erlebt, wie die Versicherungsgruppe am Donnerstag in Köln mitteilte. Neun von zehn Befragten waren überzeugt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland leidet. Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat im Juli insgesamt 2.500 Personen ab 18 Jahren online zu dem Thema befragt.
Laut der Erhebung erleben 41 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche Respektlosigkeit im direkten Kontakt mit anderen Menschen. 45 Prozent berichteten von regelmäßiger Rücksichtslosigkeit und 35 Prozent von einem aggressiven Ton in Diskussionen.
Negativer Einfluss der sozialen Medien
Sechs von zehn Befragten zeigten sich überzeugt, dass soziale Medien wie TikTok, Instagram, Facebook oder X das Einfühlungsvermögen in der Gesellschaft negativ beeinflussen. Als wichtigste Ursachen nannten sie Anonymität und fehlende persönliche Kontakte (65 Prozent), mangelnde Empathie in der Online-Kommunikation (53 Prozent) sowie eine zunehmende gesellschaftliche Lagerbildung (41 Prozent). Aber auch Behörden mangelt es aus Sicht von 41 Prozent der Befragten an Empathie.
Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) erwartet in den kommenden fünf Jahren zudem ein weiteres Schwinden von Einfühlungsvermögen und Mitgefühl. Nur 13 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 27 Prozent erwarten keine wesentliche Veränderung.
Empathie bei persönlichen Begegnungen stark wahrgenommen
Die Befragung hat aber auch eine positive Botschaft: Dort, wo Menschen sich persönlich begegnen und Verantwortung übernehmen, werde Empathie weiterhin besonders stark wahrgenommen, hieß es. Dazu zählten neben Vereinen, Kirchen, dem Freundes- und Familienkreis auch Schulen und Pflegeeinrichtungen.



