Umfrage: Ausbildung bekommt von jungen Menschen gute Noten

Umfrage: Ausbildung bekommt von jungen Menschen gute Noten
Wer einen Ausbildungsplatz hat, ist laut einer Umfrage damit sehr zufrieden. Auf dem Weg dahin gibt es jedoch Hürden. Besonders junge Menschen mit niedriger Schulbildung schätzen ihre Chancen pessimistisch ein.
23.07.2026
epd
Von Holger Spierig (epd)

Gütersloh (epd). Junge Menschen mit einem Ausbildungsplatz sind laut einer Umfrage mit ihrer Lehrstelle sehr zufrieden. Neun von zehn Auszubildenden in Deutschland bewerten ihre Ausbildung als positiv, wie die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag in Gütersloh mitteilte. Fast ebenso viele (87 Prozent) würden sich noch einmal für ihren derzeitigen Ausbildungsberuf entscheiden. Zugleich sehen viele junge Menschen Verbesserungsbedarf beim Zugang zu einer betrieblichen Ausbildung.

Als positiv wurden von Auszubildenden die Atmosphäre im Team sowie das Lernen von Neuem angegeben. Eine große Mehrheit bewertete ihre Aufgaben zudem als sinnvoll.

Ausbildung beliebteste Option nach der Schule

Bei Schülerinnen und Schülern ist die Ausbildung die beliebteste Option für die Zeit nach der Schule, wie die Umfrage ergab. Rund ein Drittel von ihnen will den Angaben zufolge direkt nach dem Abschluss eine Ausbildung beginnen. Weitere 44 Prozent können sich diesen Weg vorstellen.

Zugleich sehen viele junge Menschen Verbesserungsbedarf beim Zugang zu einem Ausbildungsplatz. Zwar gebe es aus Sicht der meisten Befragten genügend Informationen, mehr als die Hälfte finde sich darin jedoch nur schwer zurecht, erklärte die Stiftung. Junge Menschen mit niedriger Schulbildung schätzen der Umfrage nach ihre Chancen als pessimistisch ein. Fast vier von zehn dieser jungen Menschen haben Zweifel, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Für die repräsentative Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ der Bertelsmann Stiftung wurden 1.763 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren sowie 1.325 Auszubildende im Alter von 15 bis 25 Jahren online von März bis Mitte April 2026 befragt.

Experte: Mehr betriebsnahe Zugänge in die Ausbildung

Um die Quote von jungen Menschen ohne Abschluss zu senken und dem Fachkräftemangel zu begegnen, müsse der Einstieg in die Ausbildung so niedrigschwellig wie möglich gestaltet sein, erklärte der Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung, Fabian Schaffer. Die Stiftung empfahl, betriebsnahe Zugänge wie Einstiegsqualifizierungen, längere Praktika und Programme wie die Assistierte Ausbildung auszubauen. Betriebe sollten zudem Auswahlverfahren mehr an Kompetenzen und praktischen Fähigkeiten statt allein an Schulnoten ausrichten.

Junge Menschen sollten früher und individueller zur Berufswahl beraten werden, erklärte Schaffer. So sollten regionale Netzwerke zwischen Schulen, Betrieben, Arbeitsagenturen und Jugendberufsagenturen verbindlicher organisiert und gefördert werden. Auch die Eltern spielen nach Aussagen der Schüler bei der Suche nach dem passenden Beruf eine wichtige Rolle.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte angesichts der Umfrage geplante Einsparungen des Bundes in diesem Bereich. Ausgerechnet in der beruflichen Bildung plane die Bundesregierung umfangreiche Kürzungen, die etwa die Berufsorientierung empfindlich treffen würden, erklärte die stellvertretende DBG-Vorsitzende Elke Hannack in Berlin. Gerade junge Menschen mit maximal einem Hauptschulabschluss benötigten „dringend mehr Unterstützung auf dem Weg in eine Ausbildung“.

2025 fanden 84.000 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz

Im vergangenen Jahr gingen laut Berufsbildungsbericht rund 84.000 Bewerber bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus. Das sind fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich blieben 54.400 Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss lag bei 21 Prozent. Bei Menschen mit einer betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung betrug sie lediglich vier Prozent.