Psychotherapie: Bündnis warnt vor Folgen der Krankenkassenreform

Psychotherapie: Bündnis warnt vor Folgen der Krankenkassenreform
Vor rund zwei Wochen haben Bundestag und Bundesrat das Sparpaket des Kabinetts für die Krankenkassen beschlossen. Das Aktionsbündnis Psychotherapie warnt vor längeren Wartezeiten für Kassenpatienten.

Düsseldorf (epd). Das Aktionsbündnis Psychotherapie fordert die Bundesregierung auf, die Anfang Juli beschlossene Krankenkassenreform zu überarbeiten. Schon jetzt würden viel weniger Menschen versorgt als nötig, sagte die Vorstandsvorsitzende Ronja Nippert am Mittwoch in der nordrhein-westfälischen Landespressekonferenz in Düsseldorf. Wenn es bei der geplanten Budgetierung bleibe, führe dies zu einer Reduktion der Plätze für gesetzlich Versicherte, sodass die Wartezeiten auf einen Platz auf 1,5 Jahre für Kassenpatientinnen und -patienten steigen könnten.

Durch die Budgetierung würde von 2027 an nur noch eine gewisse Anzahl an Sitzungen tatsächlich noch bezahlt, erläuterte die Psychotherapeutin. Es könne „sehr gut sein (...), dass wir drei Monate lang arbeiten und sechs Monate später erfahren, was von dieser Arbeit tatsächlich bezahlt wird oder nicht“, kritisierte Nippert. Zudem habe die Bundesregierung einen Paragrafen gestrichen, der bisher eine Mindestvergütung regele. „So kann man kein Unternehmen führen - und Praxen sind letztendlich Unternehmen“, sagte sie.

Unsicherheit bei Psychotherapeutinnen und -therapeuten nimmt zu

Eine Befragung des Aktionsbündnisses unter 6.000 Psychotherapeutinnen und -therapeuten habe ergeben, dass ein Drittel darüber nachdenke, den Kassensitz abzugeben, 40 Prozent unsicher seien und nur 30 Prozent auf jeden Fall weitermachen wollten, erläuterte Nippert. Mehr als die Hälfte würden aufgrund der unsicheren finanziellen Lage kein Personal mehr einstellen oder bereits entlassen. Um den finanziellen Ausfall zu kompensieren, werde es mehr Angebote für Privatversicherte geben. „Dadurch wird die Ungerechtigkeit in diesem System weiter verstärkt.“

Die Psychotherapie müsse bedarfsgerecht bleiben, erklärte Charleen Henn, die mitverantwortlich für den Protest in NRW ist. Was zurzeit als „angemessene Versorgung“ gelte, stamme aus dem Jahr 1999. „Was gesetzlich als Überversorgung bezeichnet wird, ist schon eine Mangelverwaltung“, unterstrich sie.