Hamburg (epd). Die Potsdamer Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf wirbt für eine offene Debatte über die Möglichkeit einer Legalisierung von Leihmutterschaft in Deutschland. Sie finde es bedauerlich, dass Jens Spahn nach seinem Rücktritt als Unionsfraktionsvorsitzender nicht die Debatte um die Leihmutterschaft in Deutschland noch einmal eröffnet habe, sagte die Juristin der „Zeit“ (Montag). „Damit könnte er vielen Menschen die Möglichkeit bieten, die er im Ausland hatte.“
Der CDU-Politiker Spahn und sein Ehemann Daniel Kunze hatten vergangenen Mittwoch öffentlich gemacht, per Leihmutter in den USA Eltern geworden zu sein. Dafür war Spahn heftig aus der eigenen Partei kritisiert worden, weil die CDU Leihmutterschaft ablehnt und an einem gesetzlichen Verbot festhalten will. Daher war Spahn nach Intervention von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag als Chef der Unions-Bundestagsfraktion zurückgetreten.
Brosius-Gersdorf warb für eine liberale Lösung. Entscheidend sei, „dass ein staatliches Verbot der Leihmutterschaft ein Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Paare ist, die zur Familiengründung auf eine Leihmutterschaft angewiesen sind“. „Für solch einen Grundrechtseingriff sehe ich keine sachliche Rechtfertigung“, sagte sie.
Sachliche Auseinandersetzung gefordert
Brosius-Gersdorf plädiert für eine sachliche Debatte. „Wer in der Debatte um die Leihmutterschaft Frauen als 'Brutkästen' bezeichnet, will nicht diskutieren“, sagte sie. „Wir müssen lernen, wieder mehr aufeinander zuzugehen und andere Meinungen nicht als Zumutung, sondern als Bereicherung anzusehen.“
Vor einem Jahr war Brosius-Gersdorf mit ihrer Kandidatur als Richterin am Bundesverfassungsgericht wegen der fehlenden Zustimmung von CDU und CSU gescheitert. Die Wahl war zunächst abgesagt worden, später teilte Brosius-Gersdorf mit, sie stehe nicht mehr zur Verfügung.



