Frankfurt a.M. (epd). Die Kürzungen von Hilfsgeldern treffen laut dem Geschäftsführer von „Ärzte ohne Grenzen“, Christian Katzer, die Menschen im Südsudan massiv. „Die Hilfe wird prinzipiell zurückgefahren“, sagte Katzer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei überlagerten sich in dem ostafrikanischen Land derzeit mehrere Krisen: „Wir sehen Gewalt und Angriffe auf die Zivilbevölkerung“, sagte Katzer. Zugleich habe der Staat kaum Geld, um in die Gesundheitsversorgung zu investieren.
Patientinnen und Patienten berichteten immer wieder von Flucht, Vertreibung und Unsicherheit, sagte Katzer nach seiner Reise in den Südsudan. Auch seien die Folgen der Klimakrise zu spüren: „Überschwemmungen, die seit Jahren andauern und ganze Landstriche überfluten.“
„Vieles fällt in sich zusammen“
Katzer, der seit 2020 Geschäftsführer der deutschen Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“ ist, verwies auf ein Vertriebenenlager in der südsudanesischen Stadt Bentiu. Die Wasserversorgung für die mehr als 100.000 Menschen, die dort lebten, werde bereits jetzt immer mal wieder abgestellt. Nun habe die Organisation, die das Trinkwasser zur Verfügung stellt, angekündigt, dass ihnen die Gelder ausgehen. Der Mangel an sauberem Wasser führe dazu, dass sich Krankheiten wie Cholera ausbreiteten. „Und parallel dazu wird die Gesundheitsversorgung durch den Wegfall der Gelder weiter geschwächt“, warnte Katzer und unterstrich: „Vieles fällt in sich zusammen.“
Der Südsudan erlangte 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Danach eskalierten politische Konflikte zu einem Bürgerkrieg. 2018 wurde ein Friedensabkommen geschlossen, das jedoch äußerst brüchig ist. Zuletzt nahm die Gewalt wieder zu. Laut den Vereinten Nationen sind knapp zehn Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Ärzte ohne Grenzen“ leistet in dem Land medizinische Hilfe. Die Hilfsorganisation bietet auch psychosoziale Hilfe nach Gewalt, Flucht sowie sexualisierten Übergriffen an und bildet Gesundheitspersonal aus.
Viele Geberländer haben ihre Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zuletzt gekürzt. Einschnitte gab es auch in Deutschland.



