Stuttgart (epd). Drei Jahre nach Ankündigungen von Lidl und Aldi Süd zum Kindermarketing zieht die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eine ernüchternde Bilanz. Es gebe weniger Comicfiguren auf Verpackungen, aber kaum bessere Rezepturen, teilte die Verbraucherzentrale am Freitag in Stuttgart mit. Die meisten Kinderlebensmittel enthielten weiterhin zu viel Zucker, Fett oder Salz und erfüllten entgegen den Versprechen von 2023 die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht vollständig.
Im aktuellen Marktcheck untersuchte die Verbraucherzentrale erneut Kinderlebensmittel bei Lidl, Aldi Süd und von Markenherstellern. Gegenüber 2023 entfernte Lidl bei 27 Produkten die Kinderoptik, Aldi Süd bei 14. Teilweise verschwanden Produkte ganz aus dem Sortiment. Bei den Nährwerten sieht die Verbraucherzentrale „kaum ernsthafte Fortschritte“, obwohl es die eigentliche Zielsetzung der Selbstverpflichtungen gewesen sei, bereits ab dem Kinderalter eine nachhaltige und gesunde Ernährung zu fördern.
Acht Produkte der Discounter erfüllen WHO-Kriterien
Im Jahr 2023 erfüllten zwei der untersuchten Produkte vollständig die WHO-Kriterien für Kinderlebensmittel. Drei Jahre später sind es acht Produkte: fünf bei Lidl, drei bei Aldi Süd. Besonders problematisch bleiben laut Verbraucherzentrale weiterhin Schokolade und Süßwaren, Kuchen und Kekse, salzige Snacks, Eis und Softdrinks mit hohem Gehalt an hinzugefügtem Zucker, zu viel Fett oder Salz.
Nachdem das 2023 geplante Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz nach großem Widerstand bei Industrie und Wirtschaft entfallen war, habe sich freiwillig kaum etwas am problematischen Zustand der Kinderlebensmittel und ihrer Bewerbung geändert. Die Verbraucherzentrale fordert daher weiterhin ein entsprechendes Gesetz.




