Weimar (epd). Archäologen haben in Mühlberg bei Gotha einen ungewöhnlich lange genutzten Siedlungsplatz ausgegraben. Der Fundplatz sei vom 3. vorchristlichen bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert durchgehend bewohnt gewesen, teilte das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Freitag in Weimar mit. Damit zähle der Ort zu den seltenen Nachweisen einer rund 600 Jahre andauernden Besiedlung in Mitteldeutschland. Mühlberg wurde 704 erstmals urkundlich erwähnt.
Auf der etwa 6.000 Quadratmeter großen Fläche wurden den Angaben zufolge 87 Befunde dokumentiert. Darunter befinden sich fünf Grubenhäuser, Pfostengruben und ein Grab. Die meisten Siedlungsbefunde stammen nach Einschätzung der Archäologen aus der Zeit um Christi Geburt.
Auf der Fläche ist eine Wohnbebauung geplant
Zu den wichtigsten Funden zählen nahezu vollständig erhaltene Keramikgefäße, ein Fragment eines kobaltblauen Glasarmrings, Fibeln, römische Münzen, eine Glasperle, ein bronzener Gefäßhenkel sowie römische Feinkeramik. Für die beteiligten Archäologen belegen die Artefakte überregionale Kontakte der damaligen Bewohner durch Handel oder auch eventuell militärische Ereignisse.
Außerdem legten die Fachleute zwei Gebäudegrundrisse aus Rhätsandstein mit einem Backofen frei, die dem Spätmittelalter zugeordnet werden. Ob sie bereits vor der Ausdehnung des mittelalterlichen Ortskerns entstanden, soll die weitere Auswertung klären. Auch die Datierung einer Bestattung ohne Grabbeigaben sowie anthropologische Untersuchungen und Pollenanalysen stehen noch aus.




