Berlin (epd). Der evangelische Theologe und Ethiker Peter Dabrock hat den Umgang von Jens Spahn (CDU) und dessen Ehemann mit dem Thema Leihmutterschaft kritisiert. „Ich finde bedenklich, wenn einer der mächtigsten Menschen der Republik sich in diese rechtliche Grauzone begibt“, sagte der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrats dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag.
„Öffentliche Personen wie Jens Spahn haben auch eine öffentliche Verantwortung“, sagte Dabrock. „Es bleibt ein Gefühl der Betrübnis, dass sich jemand da etwas herausnimmt, weil er das Geld, die Position, die Möglichkeit dazu hat.“
Dabrock: Diskrepanz zwischen Politiker und Privatperson
Daniel Funke, Mann des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn, hatte am Mittwoch auf der Plattform Instagram ein Foto von sich und Spahn mit Kinderwagen und den Worten „We are family“ veröffentlicht. Der „Bild“ (Donnerstag) bestätigte Funke, dass das Kind von einer Leihmutter zur Welt gebracht wurde. Der Zeitung zufolge wurde das Kind in den USA geboren, wo Leihmutterschaft anders als in Deutschland erlaubt ist. Spahn wollte sich auf epd-Anfrage nicht äußern.
In Deutschland machen sich Ärzte nach dem Embryonenschutzgesetz strafbar, die eine Leihmutterschaft herbeiführen. Auch die Vermittlung von Leihmüttern ist nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz unter Strafe gestellt. Nicht strafbar machen sich hingegen die „Wunscheltern“. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Rechtslage in Deutschland sei klar geregelt. Der Koalitionsvertrag sehe keine Änderung der aktuellen Rechtslage vor.
Frauen Union verweist auf Partei-Beschluss
Auch die Frauen Union lehnt eine Änderung der geltenden Rechtslage ab, wie eine Sprecherin dem epd mitteilte. Sie verwies auf einen CDU-Beschluss. Der CDU-Parteitag hatte im Februar einem Antrag der Frauen Union zugestimmt, in dem es heißt, dass die Partei angesichts „ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken“ ihre Forderung bekräftigt, „Leihmutterschaft - auch in altruistischen Modellen - in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern“.
Spahn hatte in der Vergangenheit selbst die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland abgelehnt. Dabrock sagte dazu: „Ich tue mich schwer mit der hier offenkundigen Diskrepanz zwischen dem Politiker, der Regeln für andere mitgestaltet, und der Privatperson, die das überhaupt nicht schert.“
Spahn ist nicht der einzige prominente Fall innerhalb der CDU mit Nachwuchs durch Leihmutterschaft. Sein Parteikollege Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung, hatte im April bekannt gegeben, dass er und sein Mann auf diese Weise Eltern geworden sind. Auch damals hatte es Kritik gegeben.
Soziale Unterschiede bei Leihmutterschaft
Ethiker Dabrock verwies auch auf ein sozialethisches Argument. Es sei in diesem Fall auch „offensichtlich“, dass es um soziale und finanzielle Fragen gehe. „In Kalifornien eingegangene Elternschaften werden beispielsweise in Deutschland ohne Probleme anerkannt“, sagte er. Sie kosteten deutlich mehr als in der Ukraine vermittelte Leihmutterschaften, wo es entsprechende Rechtsabkommen nicht gebe. „Es geht hier also nicht nur um das Verständnis für ungewollt kinderlose und homosexuelle Paare, sondern auch die Frage, wer sich das leisten kann“, sagte der Ethik-Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg.




