Düsseldorf, Ahrweiler (epd). Am fünften Jahrestag der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Solidarität der Menschen gewürdigt und einen entschlosseneren Klima- und Hochwasserschutz gefordert. „Fünf Jahre Flut an der Ahr und an der Erft sind eine Mahnung“, sagte Steinmeier am Dienstag in einer Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) forderte zum Kampf gegen den Klimawandel auf. „Dazu müssen wir alle unseren Beitrag leisten“, sagte er. Das sei „die große Lehre“ auch aus der Hochwasserkatastrophe von 2021.
Steinmeier machte sich für einen besseren Hochwasserschutz etwa durch Warnsysteme, Cell Broadcast und eine Stärkung des Katastrophenschutzes stark. „Wir schulden den Menschen, die in jener Nacht alles verloren haben, den ernsthaften, konsequenten Willen, dafür zu sorgen, dass wir auf solche Katastrophen besser vorbereitet sind und dass wir das uns Mögliche tun gegen den fortschreitenden Klimawandel“, betonte er. Der Klimaschutz dürfe nicht aus den Augen verloren werden. Deutschland habe „Gewicht und Einfluss, um uns auch international mit den Mitteln der Diplomatie, der Technologie- und Wirtschaftskooperation für Klimaschutz einzusetzen“.
Ein solidarisches Land in der Stunde der Not
Bei der Flutkatastrophe am 14. und 15. Juli 2021 hatten Wassermassen im Westen Deutschlands Gebäude und Straßen weggerissen und ganze Orte zerstört. In Rheinland-Pfalz starben mindestens 136 Menschen, in Nordrhein-Westfalen gab es 49 Tote, mehr als 800 Menschen wurden verletzt.
Steinmeier sprach den Betroffenen und Angehörigen der 185 Todesopfer erneut sein Beileid aus. Zugleich lobte er die „Solidarität in ungeahntem Ausmaß“: „In der Stunde der Not sind wir ein starkes, solidarisches Land. Wir helfen einander. Wir stehen zusammen.“ Das zeige der Einsatz der Hilfsorganisationen und zahlreicher ehrenamtlicher Helfer.
Die richtigen Lehren für die Zukunft ziehen
NRW-Ministerpräsident Wüst nannte die Folgen des Klimawandels auch mit Blick auf die jüngste Rekordhitze „eine ganz konkrete Gefahr für uns alle“. Deshalb gelte es, sich für Klimaschutz einzusetzen und sich auf Extremwetter besser vorzubereiten.
Auch Landtagspräsident André Kuper (CDU) mahnte, sich den Fehlern im Umgang mit dem Hochwasser zu stellen und „die richtigen Lehren aus der Katastrophe von 2021 für die Zukunft zu ziehen“. Die Erinnerung an die Opfer könne „ein ewiger Antrieb sein, aufeinander achtzugeben und füreinander da zu sein - mit tiefem Mitgefühl für das Vergangene, aber auch mit Zuversicht und Hoffnung für die Menschen in unserem Land“.
Gefühlschaos, Zuversicht und Zusammenhalt
Die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, Claudia Müller-Bück, hielt im Landtag als Vertreterin der Kirchen und Religionsgemeinschaften eine Ansprache, in der sie über ihre dramatischen Erlebnisse in der Flutnacht berichtete. Die Theologin verbrachte die Nacht mit einem Team der Notfallseelsorge in der Turnhalle von Swisttal-Heimerzheim. Sie schilderte, wie am angeschwollenen Bach Swist alle Häuser und Autos unter Wasser standen und Menschen mit Hubschraubern vor der Flut gerettet wurden.
„Wir sind nicht dieselben wie vorher“, sagte Müller-Bück: Die Trauer um Verstorbene, Bilder und Geräusche, ein Gefühlschaos zwischen tiefster Verzweiflung, Erschöpfung und neuer Hoffnung - „all das bleibt in uns“. Bis heute sei aber für viele Betroffene „Zuversicht und Zusammenhalt“ das Motto: „Wir haben erfahren, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein. Mitmenschliche Hilfe und eine starke Gemeinschaft können so viel Gutes bewirken. Lassen Sie uns das bewahren.“
Kränze zum Gedenken an die Opfer
Steinmeier hatte vor der Gedenkfeier im rheinland-pfälzischen Altenahr mit Betroffenen gesprochen und eine Ausstellung zum Thema besucht. Im Anschluss legten Steinmeier und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) in Bad Neuenahr-Ahrweiler Kränze zum Gedenken an die Hochwasser-Opfer nieder. Am Abend wurden Schnieder und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer Gedenkveranstaltung im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes auf dem dortigen Marktplatz erwartet.




