Forscher warnen vor unterschätzten Folgen von Ultrafeinstaub

Forscher warnen vor unterschätzten Folgen von Ultrafeinstaub
Die zulässige Konzentration von Ultrafeinstaub ist in Europa bislang nicht verbindlich geregelt. Dabei seien die winzigen Partikel verantwortlich für Millionen vorzeitiger Todesfälle, warnen Forscher und fordern Grenzwerte.

Mainz (epd). Ultrafeinstaub ist einer aktuellen Studie zufolge weltweit pro Jahr für knapp zwei Millionen vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Ultrafeine Partikel stellten „ein bislang unterschätztes Risiko für das Herz-Kreislauf-System dar“, teilte das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie am Dienstag mit, wo die Leitung der Studie gelegen hatte. Im Gegensatz zu Feinstaub gibt es für ultrafeine Partikel mit einer Größe von weniger als 0,1 Mikrometer bislang keine gesetzlichen Grenzwerte in der EU. Die Studienergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift „Cardiovascular Research“.

„Ultrafeinstaub ist buchstäblich ein blinder Fleck der Luftreinhaltepolitik“, erklärte Jos Lelieveld, Erstautor der Studie. „Er wird von keiner Vorschrift erfasst, obwohl er in unseren Städten allgegenwärtig ist.“ Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler Satelliten- und Messdaten sowie Landnutzungsinformationen aus weltweit 155 Orten ausgewertet und mit Sterblichkeitsdaten abgeglichen. Besonders in Süd- und Osteuropa stellten sie eine hohe Belastung durch Ultrafeinstaub fest. Weltweit entfielen rund 91 Prozent der ultrafeinstaubbedingten Todesfälle auf Stadtgebiete, davon 78 Prozent auf dicht besiedelte urbane Zentren.

Verbindliche Grenzwerte gefordert

Ein Grenzwert von 5.000 Partikeln pro Kubikzentimeter im Jahresmittel könnte nach Berechnungen der Wissenschaftler die weltweite Übersterblichkeit durch Ultrafeinstaub um fast die Hälfte senken. Auch eine routinemäßige Überwachung von Ultrafeinstaubwerten wie beim Feinstaub sei nötig.