Fair gehandelte Produkte erreichen Rekordumsatz

Fair gehandelte Produkte erreichen Rekordumsatz
Deutsche haben 2025 im Schnitt 33 Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben. Obwohl das im Vergleich mit den Nachbarländern wenig ist, konnte das Forum Fairer Handel einen Anstieg beim Umsatz feststellen.

Berlin (epd). Mit 2,7 Milliarden Euro hat der Umsatz fair gehandelter Produkte in Deutschland im vergangenen Jahr einen Höchstwert erreicht. Trotz schwankender Rohstoffpreise sei damit im Vergleich zu 2024 ein Plus von 4,7 Prozent erzielt worden, sagte der Geschäftsführer des Forums Fairer Handel, Matthias Fiedler, am Dienstag in Berlin. Der Anstieg sei daher als „ökonomischer Erfolg höher zu bewerten“, erklärte Fiedler.

Der Umsatz auf dem Lebensmittelmarkt stieg den Angaben zufolge um 3,4 Prozent an. In sogenannten Weltläden, Fachgeschäften für fair gehandelte Produkte, seien die Umsätze im Jahr 2025 sogar um zehn Prozent gestiegen.

Kaffee ist Spitzenreiter

Mit knapp 41 Prozent mache Kaffee den größten Teil des Gesamtumsatzes fairer Produkte in Deutschland aus, hieß es. Der Absatz von fair gehandeltem Kaffee halte sich seit 2018 nahezu stabil. Darauf folgen demnach Südfrüchte mit etwa zehn Prozent sowie Textilien und Schokolade mit jeweils rund 8 Prozent. Tendenziell steige der Anteil fair gehandelter Lebensmittel, der Anteil anderer Warengruppen sinke.

Der Gesamtumsatz des fairen Handels in Deutschland betrug 2016 den Angaben nach 1,3 Milliarden Euro. So steigerte er sich sukzessive auf 2,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, lediglich mit einem Einbruch im Jahr 2020.

Untersuchung durch Bundeskartellamt gefordert

„Die wirtschaftliche Entwicklung des fairen Handels stimmt uns optimistisch, doch unsere politische Bilanz fällt kritisch aus“, erklärte die Vorstandsvorsitzende des Forums Fairer Handel, Andrea Fütterer. Der Schutz von Umwelt- und Menschenrechten gerate in Deutschland und der Europäischen Union zunehmend unter Druck. „Handel und Wirtschaft muss in den Dienst der Menschen gestellt werden und nicht umgekehrt“, bekräftigte Fütterer.

Dazu verschiebe sich im Lebensmitteleinzelhandel die Marktmacht. Einzelhändler könnten zunehmend mehr bestimmen als Produzenten und Preisvorgaben durchsetzen. Das Forum Fairer Handel forderte daher unter anderem eine Sektoruntersuchung des Lebensmitteleinzelhandels durch das Bundeskartellamt.

33 Euro pro Kopf für fair gehandelte Produkte

In Deutschland gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher im Jahr 2025 demnach durchschnittlich 33 Euro für fair gehandelte Produkte aus. Europäischer Spitzenreiter sei die Schweiz. Dort seien pro Kopf umgerechnet rund 129 Euro für Produkte mit Fair-Trade-Siegel ausgegeben worden.

In Österreich waren es laut Forum Fairer Handel etwa 88 Euro, in Frankreich rund 47 Euro. Der französische Gesamtumsatz mit fair gehandelten Produkten sei im Vergleich zum Jahr 2024 um 23 Prozent gestiegen, während der französische Lebensmittelmarkt insgesamt nur um 1,8 Prozent wuchs.

20-jähriges Bestehen

Das Forum Fairer Handel feiert in diesem Jahr laut eigenen Angaben sein 20-jähriges Bestehen als Verein. Es entstand 2002 als Netzwerk, die Vereinsgründung erfolgte 2006. Verschiedene Verbände aus dem Bereich fairer Handel engagieren sich im Forum. Es versteht sich selbst als politische Stimme des fairen Handels in Deutschland. Unter anderem erhebe das Forum Fairer Handel jährlich Wirtschaftsdaten zu fair gehandelten Produkten.