Umwelthilfe: Knapp ein Viertel der Kreise mit hohem Hochwasserrisiko

Umwelthilfe: Knapp ein Viertel der Kreise mit hohem Hochwasserrisiko
Die Deutsche Umwelthilfe hat das Hochwasserrisiko bundesweit auf Kreisebene ausgewertet. Knapp ein Viertel der Regionen weist demnach ein hohes Risiko für schwere Schäden bei einem Jahrhunderthochwasser auf.
13.07.2026
epd
Von Jonas Grimm (epd)

Berlin (epd). Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat das Hochwasserrisiko für alle Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands untersucht. Insgesamt 98 und damit knapp ein Viertel aller Regionen hätten mindestens ein hohes Risiko für schwere Schäden bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner am Montag.

In weiteren 184 Gebieten herrscht dem „Hochwasser-Check 2026“ zufolge ein mäßig hohes Risiko. Der Hochwasser-Risikograd wurde demnach aus der bei einem Jahrhunderthochwasser potenziell von Schäden betroffenen Fläche und den aktuell gefährdeten Wohnadressen errechnet.

Höchstes Risiko im Ortenaukreis

Den höchsten Risikograd weist laut der Studie der Ortenaukreis in Baden-Württemberg auf. Dort seien aktuell 3.502 Wohnadressen gefährdet, hieß es. Bei einer Überlastung der Schutzinfrastruktur kämen allerdings weitere 22.464 hinzu. Unter den zehn am höchsten eingestuften Kreisen liegen vier in Baden-Württemberg und zwei in Bayern.

Den größten Anteil an Risikogebiet gemessen an der Fläche besitzt den Daten zufolge die Stadt Ludwigshafen am Rhein in Rheinland-Pfalz. Dort seien in knapp drei Vierteln des Stadtgebiets bei einem „Jahrhunderthochwasser“ signifikante Schäden zu erwarten. Im Fall einer überlasteten Schutzinfrastruktur lägen die meisten betroffenen Adressen, insgesamt 42.981, im nordrhein-westfälischen Landkreis Wesel.

Risiko für Niedersachsen, Bremen und Hamburg verändert

Im vergangenen Jahr hatte die Umwelthilfe beim „Hochwasser-Check“ die Ebene der Bundesländer untersucht. Aufgrund eines im Vergleich zu 2025 veränderten Datensatzes verringerte sich die Risiko-Bewertung für Niedersachsen nun den Angaben zufolge von „extrem“ auf „sehr hoch“ und der Stadtstaaten Bremen und Hamburg von „mäßig“ auf „gering“.

Mitte Juli 2021, vor fünf Jahren, waren in Deutschland infolge von Flutkatastrophen 185 Menschen ums Leben gekommen. 136 davon starben in Rheinland-Pfalz, fast alle im Ahrtal. In Nordrhein-Westfalen gab es 49 Tote.

Auenschutz und Bauverbot gefordert

Müller-Kraenner warnte angesichts dessen vor den „unvorhersehbaren Folgen der Klimakrise“. Er forderte einen flächendeckenden Hochwasserschutz in Deutschland und nannte als effektivste Maßnahme den Auenschutz. In diesen naturnahen Flussgebieten könne sich das Wasser gefahrlos ausbreiten. Insbesondere an dicht besiedelten Flussläufen sei das potenzielle Schadensmaß besonders hoch.

Die stellvertretende Bereichsleiterin Naturschutz bei der DUH, Sabrina Schulz, bezeichnete es als „riesiges Problem, dass in Überschwemmungsgebieten immer noch gebaut werden darf“. Die Umwelthilfe verlange daher eine „strenge Durchsetzung des Bauverbots“ im Überschwemmungsgebiet sowie eine Priorisierung von „naturbasierten Lösungen im Hochwasserschutz“.

„Jahrhunderthochwasser“ wird häufiger

Schulz wies zudem darauf hin, dass sich die Bezeichnung „Jahrhunderthochwasser“ auf Messreihen in der Vergangenheit bezieht. Eigentlich ist ein solches Ereignis statistisch gesehen einmal in 100 Jahren zu erwarten. Durch die Klimakrise und landschaftliche Veränderungen würden solche Pegel jedoch inzwischen „teilweise fast schon im Jahrestakt“ beobachtet.