Hannover, Berlin (epd). Angesichts der klimawandelbedingten Hitzerekorde plädiert die Psychologin Lea Dohm dafür, Klimaängste zuzulassen und über diese Gefühle ins konstruktive Handeln zu kommen. „Sorgen wegen der Klimakrise sind berechtigt und gut begründet“, sagte Dohm im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie seien sogar wichtig, weil sie dazu motivierten, notwendige Veränderungen voranzubringen. Dohm ist Transformationsberaterin bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit in Berlin, Mitgründerin der Initiative „Psychologists/Psychotherapists for Future“ sowie Mitglied der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen.
Dohm kritisierte, dass sich die Gesellschaft hinsichtlich der globalen Erderwärmung und der davon ausgehenden Gefahren „aktuell in einer Schweigespirale“ befinde. Um Klimaängste gesund zu bewältigen, sei es aber nicht hilfreich, sie zu verdrängen. „Das wirksamste Mittel gegen Klimaängste ist Klimaschutz - als Gesellschaft stehen wir da gerade vor einer kollektiven psychischen Reifungsaufgabe.“
Ideen für Klimaanpassung
Die Integration von Klimathemen in das tägliche Denken, Fühlen und Handeln sei das Gebot der Stunde „für alle Erwachsenen, die das Problem verstanden haben“, sagte Dohm. Das sei besonders relevant für Kinder und Jugendliche. „Denn sie werden die Folgen der Erderhitzung in noch viel stärkerem Ausmaß erleben, obwohl sie das Problem nicht verursacht haben.“
Positiv sei, dass es bereits ausgereifte Ideen für Klimaanpassung gebe - nicht nur individuelle Lösungen, sondern auch für vulnerable Gruppen, wie Menschen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Dazu zählten die Emissionsreduzierung, eine Begrünung von Städten, die Verschattung von Gebäuden, die Entsiegelung von Flächen oder auch der Einbau von Wärmepumpen: „Denn die können auch kühlen.“ Das Tempo der Umrüstung müsse allerdings deutlich steigen, sagte Dohm. „Nur so kommen wir vor die Welle.“
Tropennächte bringen Menschen um den Schlaf
Klimaanpassung und Klimaschutz seien gleichermaßen wichtig. „Das wäre sonst, als würde man Wasser aus einem Schiff pumpen, aber weiter Kurs auf den Eisberg halten.“
Dass die Menschen unter den heißen Tagen wie zuletzt im Juni leiden, liegt Dohm zufolge unter anderem an den sogenannten Tropennächten, die den Nachtschlaf beeinträchtigten. „Wir alle kennen das, wir werden dünnhäutiger, reizbarer, machen mehr Fehler, das verstärkt sich ab dem dritten Tag einer Hitzewelle noch einmal deutlich.“
Besonders gefährlich seien Extremtemperaturen für Wohnungslose, Menschen mit Vorerkrankungen und Kinder. „Sie haben weniger Möglichkeiten, ihre Temperatur zu regulieren.“ Zudem reagierten viele Medikamente hitzesensibel, etwa weitverbreitete Antidepressiva, die oft heimlich eingenommen würden.




