Nach tödlichen Schüssen von Stade: Jugendämter fordern mehr Schutz

Nach tödlichen Schüssen von Stade: Jugendämter fordern mehr Schutz
Die tödlichen Schüsse in einem Mutter-Kind-Heim in Stade nach einem Streit um das Sorgerecht haben bei den Mitarbeitenden der Jugendämter große Besorgnis ausgelöst. Sie fordern nun bessere Schutzkonzepte.

Oldenburg (epd). Nach der Gewalttat mit sechs Toten in einer Jugendhilfe-Einrichtung in Stade fordern die Jugendämter in Niedersachsen und Bremen bessere Schutzkonzepte für ihre Mitarbeitenden. Die brutale und grausame Tat erschüttere die Jugendhilfe in ihrem Selbstverständnis, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jugendämter in beiden Ländern, Frank Lammerding, am Freitag in Oldenburg. Dieses sei geprägt und getragen von Menschlichkeit, Offenheit, Verantwortung füreinander, Beziehungsarbeit und Vertrauen.

„Das daraus abgeleitete professionelle tägliche Handeln ist die Grundlage und zugleich Haltung der Arbeit in der Jugendhilfe“, sagte Lammerding. Der Vorfall in Stade zeige, wie wichtig es sei, Sicherheits- und Schutzkonzepte in sozialen Einrichtungen fortlaufend weiterzuentwickeln. Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe seien Orte des Schutzes und der Unterstützung.

Höchste Priorität

Die Kinder- und Jugendhilfe brauche hohe gesellschaftliche Anerkennung sowie ausreichende finanzielle Unterstützung, erklärte die Arbeitsgemeinschaft. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie der Beschäftigten in Einrichtungen der Jugendhilfe und in den Jugendämtern müsse höchste Priorität haben.

Ende Juni waren in einem Mutter-Kind-Heim in Stade bei Hamburg sechs Mitarbeitende der Jugendhilfe getötet worden. Bei den Opfern handelt es sich um vier Frauen und zwei Männer aus Stade und der Region Hannover. Hintergrund ist mutmaßlich ein Streit um das Sorgerecht für ein drei Monate altes Kind. Ein 45-jähriger Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor.