Oberursel (epd). Der ehemalige Generalsekretär des Deutschen Caritasverbands, Georg Cremer, hat die Vorschläge der Reformkommission für die gesetzliche Rente verteidigt. Er sei erstaunt darüber, dass die armutspolitischen Empfehlungen der Rentenkommission in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle spielten, sagte Cremer, der Mitglied der Kommission war, dem im hessischen Oberursel erscheinenden Magazin „Publik-Forum“ (Ausgabe vom Freitag).
Stattdessen gehe es viel um die „sinnlose Frage“, wie das Renteneintrittsalter 2095 aussehen könnte, sagte Cremer. Die Diskussion um das an die Lebenserwartung gekoppelte Renteneintrittsalter sei eine Geisterdebatte: „Das ist, als hätte man am Ende des Ersten Weltkriegs die Verhältnisse Deutschlands in den 1990er Jahren voraussehen wollen.“
33 Vorschläge der Rentenkommission
Ende Juni hatte die von der Bundesregierung beauftragte Rentenkommission 33 Vorschläge vorgelegt. Dazu gehören neben der Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung eine kapitalgedeckte Rentenkomponente, die Abschaffung der vorgezogenen abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte und Änderungen bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.
Wer heute Grundsicherung beantrage, bekomme bei deren Berechnung meist die gesamte Rente abgezogen, erklärte Cremer. Eine Person mit 500 Euro Rente und einem anerkannten Bedarf von 1.100 Euro erhalte 600 Euro Grundsicherung. „Sie hat letztlich nichts von ihrer Rente“, sagte er. Mit einem wie von der Kommission vorgeschlagenen Freibetrag von 30 Prozent hätte so eine Person 150 Euro mehr, rechnete er vor.
Auch das Ende der vorgezogenen abschlagsfreien Rente sei richtig, sagte er. Für Menschen, die nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten könnten, solle es individuelle Gesundheitsprüfungen geben. Eine Liste schwer arbeitender Berufsgruppen mit Anrecht auf eine frühere Rente wie in Österreich sei keine gute Lösung. „Dann lobbyieren alle Berufsgruppen, dass sie besonders hohe psychische oder körperliche Belastungen haben“, sagte der ehemalige Caritas-Generalsekretär.




