Forscherin: Pläne für Elterngeld sind keine familienpolitische Wende

Forscherin: Pläne für Elterngeld sind keine familienpolitische Wende
Die geplanten Änderungen beim Elterngeld könnten Familien vor Probleme stellen, wenn die Eingewöhnungszeit in der Kita ansteht. Dafür müssen laut der Volkswirtschaftlerin C. Katharina Spieß Lösungen gefunden werden.
09.07.2026
epd
epd-Gespräch: Nils Sandrisser

Wiesbaden (epd). Die Volkswirtschaftlerin C. Katharina Spieß weist auf Herausforderungen für Eltern beim Übergang ihrer Kinder in die Kita hin, sollte die Bundesregierung wie geplant die Bezugsdauer des Elterngelds kürzen. Da derzeit viele Eltern die letzten beiden der 14 Elterngeld-Monate für die Eingewöhnung in die Kita nutzten, „wird es für einige Familien schwieriger, diesen Übergang zu gestalten“, sagte die Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Da muss man Lösungen finden.“

Spieß verwies darauf, dass es für die Eingewöhnung von Kindern in Kitas auch andere Möglichkeiten für Eltern gebe. Beim Elterngeld plus etwa verdoppele sich die Bezugsdauer, wenn der betreffende Elternteil in Teilzeit arbeite. Das Elterngeld plus soll nach Plänen von Familienministerin Karin Prien (CDU) erhalten bleiben.

Mehr Elterngeld, aber für kürzeren Zeitraum

Am Dienstag hatte Prien Änderungspläne beim Elterngeld bekannt gegeben. Ab 2027 soll demnach die Bezugsdauer von maximal 14 auf 12 Monate gekürzt werden. Um auf die maximale Bezugsdauer zu kommen, muss jeder Elternteil mindestens drei statt wie bislang zwei Monate nehmen. Anpassen will Prien zudem die Mindest- und Maximalbeträge für das Elterngeld. Eltern mit sehr geringen Einkommen sollen mindestens 330 statt bislang 300 Euro pro Monat bekommen. Der Höchstbetrag soll auf 1.900 Euro steigen (aktuell 1.800).

Ob die Änderungen beim Elterngeld Einfluss auf die Geburtenrate haben werden, ist laut Spieß nicht absehbar. Zwar habe die Einführung des Elterngelds im Jahr 2007 „signifikant zum Anstieg der Geburtenrate beigetragen“, erklärte sie. Damals habe es aber auch andere Faktoren gegeben, etwa den Kita-Ausbau. Spieß sprach von einer „familienpolitischen Wende“, bei der Eltern das Gefühl hatten, dass die Politik diese Phase des Lebens ernst nimmt. „Das Elterngeld war ein echter Paradigmenwechsel.“

Eine solche Wende in die entgegengesetzte Richtung seien Priens Pläne keinesfalls, da sie das Elterngeld ja nicht abschaffen, sondern nur anders gestalten wolle. „Es wird darauf ankommen, ob das als verlässliche Familienpolitik wahrgenommen wird oder nicht“, sagte Spieß.

Geburtenrate hängt nicht nur am Elterngeld

Die Geburtenrate in Deutschland lag im Jahr 2006 laut Daten des Statistischen Bundesamts bei 1,33 Geburten pro Frau. Ab 2007 stieg sie bis auf 1,61 im Jahr 2021 an. Seither sinkt sie wieder und erreichte 2025 mit 1,32 den tiefsten Stand seit 1996.

Grundsätzlich sei wirtschaftliche Unsicherheit schlecht für die Geburtenrate, erklärte die Wissenschaftlerin. Die künftige Entwicklung der Geburtenrate hänge daher nicht nur vom Elterngeld und einer verlässlichen Kinderbetreuung ab, sondern von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, von Arbeitslosigkeit, der Frage nach bezahlbarem Wohnraum, von Energiekosten und globalen Krisen.