München, Hamburg (epd). Der bayerische Pfarrer und Bestseller-Autor Werner Tiki Küstenmacher („Simplify your Life“) ist nach eigener Aussage nicht aus einem tiefen inneren Drang Pfarrer geworden. „Ich hatte einfach Lust darauf“, sagte er in einem Interview in der Zeit-Beilage „Christ & Welt“ (Donnerstag). Kurz vor Ende seiner Schulzeit habe er eine Veranstaltung zur Berufsorientierung besucht, wo ein Pfarrer dabei war. „Ich dachte mir sofort: Geiler Job, das will ich machen. Vor allem war es ein sicherer Beruf. Gutes Gehalt, gute Rente.“ Er habe finanziell abgesichert sein wollen: „Von zu Haus aus hatte ich kaum Geld.“
Zu Jesus habe er immer eine besondere Beziehung gespürt, er habe ihn als engen Freund wahrgenommen, sagte Küstenmacher, der in Gröbenzell westlich von München lebt. „Ich ging auch selbstverständlich in den Kindergottesdienst und den Konfirmationsunterricht.“ Auf die Bibel habe er jedoch nüchtern geblickt. Ihm sei klar gewesen, dass es ein Buch voller Geschichten sei, an dem viele Menschen geschrieben hätten. „Für mich war auch das ganze Opferzeug weniger wichtig, der Kreuzestod und so weiter.“ Jesus sei für ihn eher „mein Guru als mein Erlöser“.
Es kommt darauf an, was man tut
„Diese aufgeladene Geschichte des Heilands, des Auferstandenen, spielt für mich kaum eine Rolle“, sagte Küstenmacher. Er praktiziere seinen Glauben ganz im Sinne Jesu: „Es kommt nicht darauf an, was man sagt, sondern auf das, was man tut.“ Sein eigenes Gottesbild werde immer größer, weiter und freier, sagte Küstenmacher weiter. „Wenn ich denke, ich habe ihn verstanden, merke ich bald: Nee, er ist größer.“ Er halte auch den Gemeindecharakter einer Kirche für überschätzt. „Oft geht man nach dem Gottesdienst auseinander und hat sich nicht einmal unterhalten. Es gibt dieses Idealbild einer Gemeinde, das aber selten erreicht wird.“




