Berlin (epd). Trotz Änderungen an Reformplänen für die gesetzliche Krankenversicherung halten Sozial- und Ärzteverbände an ihrer grundsätzlichen Kritik am Gesetzentwurf fest. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt bemängelte am Dienstag in Berlin, der etwas höhere Beitrag des Bunds bleibe „deutlich hinter dem zurück, was eigentlich erforderlich wäre“. Zudem lasse die Bundesregierung den notwendigen Fokus auf Krankheitsvorbeugung vermissen, indem sie das Potenzial von Alkohol-, Tabak- und Zuckersteuer nicht ausschöpfe.
Krankschreibungen ab dem ersten Tag würden eine große Zahl zusätzlicher Patienten in den Praxen und eine Verschärfung der Versorgungsrealität bedeuten, sagte Reinhardt. Während zudem für die ambulante Versorgung keine Verbesserungen vorgesehen seien, werde die Pharma-Industrie weiter nicht angemessen zur Stabilisierung der Finanzen herangezogen.
Änderungen an geplanter Reform
Am Montag waren Änderungen an der geplanten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung bekannt geworden. Demnach soll etwa der Bundeszuschuss an die Kassen nicht so stark sinken, gleichzeitig sollen die Zahlungen steigen, die der Bund für die Gesundheitsversorgung von Menschen in der Grundsicherung leistet. Kostenlos soll die Mitversicherung nun unter anderem für Menschen bleiben, die Kinder unter zwölf Jahren betreuen - zuvor war eine Altersgrenze von sieben Jahren vorgesehen. Außerdem hatte sich in der vergangenen Woche die Koalition auf Verschärfungen der Regeln bei Krankschreibungen geeinigt.
Der Hartmannbund kritisierte die geplanten Verschärfungen bei Krankschreibungen als kontraproduktiv. „Vielmehr müssten wir alles dafür tun, dass die bereits überfüllten Wartezimmer leerer werden“, teilte der Ärzteverband mit. Wer nur sparen wolle, verlangsame notwendige Reformen.
Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, lehnte erhöhte Zuzahlungen für Medikamente ab. Außerdem müsse der Bundeszuschuss weiter steigen und für die beitragsfreie Mitversicherung müsse es einen Bestandsschutz für bestehende Ehen geben.




