Wiesbaden (epd). Für Marc Schwalbe, der beim Bundeskriminalamt mit seinem Team täglich kinderpornografisches Material sichtet, ist Sinnhaftigkeit ein wichtiger Antrieb für seine Arbeit. Das Gefühl, ein Kind aus einer Gefahrensituation befreit zu haben oder einen Serientäter hinter Gitter gebracht zu haben, gebe ihm Motivation für die belastende Aufgabe, sagte der Referatsleiter im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Jedes Bild, das mein Team und ich auswerten, ist ein Beweismittel.“
Dass er selbst Vater ist, verstärke für ihn einerseits die emotionale Belastung. Die Angst um die Sicherheit der eigenen Familie werde präsenter, man müsse private und berufliche Welt möglichst strikt voneinander trennen. Andererseits sei die persönliche Bindung auch ein Antrieb. Man kämpfe um die Unversehrtheit einer Kindheit, auch die der eigenen Kinder, sagte Schwalbe.
Supervision als Voraussetzung
Der Referatsleiter misst der Supervision eine große Bedeutung bei. Sie sei Voraussetzung für professionelle und menschenwürdige Ermittlungsarbeit. Supervision diene nicht nur dem eigenen Gesundheitsschutz, sondern sei auch ein Baustein in der Qualitätssicherung der Ermittlungen, sagte Schwalbe. Gerade im Bereich Kinderpornografie gebe es einen schmalen Grat zwischen Empathie für das Opfer und kühler Distanz, die es für die Ermittlungen brauche.
Obwohl es harte Arbeit sei, führe sein Referat eine Warteliste mit Interessierten für die Tätigkeit. Schwalbe führt das auf die hohe Sinnhaftigkeit der Aufgabe zurück. Um einschätzen zu können, ob sie bereit für diese Tätigkeit seien, kämen viele bereits während ihres Studiums für ein Praktikum in das Referat. Eine psychische Vorbereitung ist laut Schwalbe schwierig. Was die Bilder und Videos mit einem machen werden, das finde man eigentlich erst danach heraus, erklärte er.
Der Großteil der Arbeit bestehe daraus, riesige Mengen an Bild- und Videomaterial zu sichten, akribisch zu beschreiben und zu kategorisieren. Dabei gehe es nicht nur darum, illegale Inhalte festzustellen, sondern auch darum, Spuren zu sichern, die zu den Tätern oder den Opfern führten.




