Papst Leo XIV. rückt Schicksal von Migranten in den Mittelpunkt

Papst Leo XIV. rückt Schicksal von Migranten in den Mittelpunkt
Am 250. Jahrestag der Unabhängigkeit seines Geburtslandes USA besucht Papst Leo die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Hier und auch in Grußworten in die USA stehen die Themen Migration und Nächstenliebe im Fokus.

Lampedusa (epd). Papst Leo XIV., der erste US-amerikanische Papst der Geschichte, hat am 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA das Schicksal von Migranten in den Mittelpunkt gerückt. Bei einem Besuch auf Lampedusa gedachte er am Samstag in einer Messe auf dem Sportplatz der Mittelmeerinsel der vielen Menschen, die auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ihr Leben verloren haben und verlieren.

In einem Brief an die Bürgerinnen und Bürger der USA betonte Leo XIV. zugleich, dass die „Hoffnungen, Opfer und Beiträge“ von Einwanderern von Anfang an Teil der Geschichte der USA waren. Der in Chicago geborene Robert Francis Prevost stammt selbst aus einer Einwandererfamilie, die harte Migrations-Politik der aktuellen US-Regierung hatte er bereits als Kardinal deutlich kritisiert.

Verleihung der „Liberty Medal“

„In jeder Generation haben diejenigen, die auf der Suche nach Freiheit, Chancen und einem Ort der Zugehörigkeit hierhergekommen sind, den Charakter der Nation mitgeprägt“, schreibt der Papst in dem am Samstag veröffentlichten Brief. Sie mit Mitgefühl und Großzügigkeit aufzunehmen, sei nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, sondern auch „eine Anerkennung der Würde, die jedem Menschen zusteht“.

Am Freitagabend war Papst Leo in Philadelphia die „Liberty Medal“ verliehen worden. Mit ihr werden seit 1988 Persönlichkeiten und Organisationen geehrt, die sich für Freiheit und Menschenwürde einsetzen. Der Papst bedankte sich persönlich per Videoschalte aus dem Vatikan.

Ein Wirtschaftssystem, das Armut und Ausgrenzung verursacht

Direkt nach seiner Ankunft auf Lampedusa am Samstagmorgen besuchte Leo XIV. als erste Station den Friedhof der Insel. Dort legte er am Grab von Migranten Blumen nieder. Seit 2014 zählt die Internationale Organisation für Migration (IOM) rund 35.000 Menschen, die auf der Überfahrt von der nordafrikanischen Küste nach Europa starben oder bis heute vermisst werden. In diesem Jahr liegt die Zahl bereits bei mehr als 1.400.

„Die Toten in diesem Meer sind sowohl Opfer getroffener als auch ausgebliebener Entscheidungen“, sagte der Papst. „Wir spüren ihre Gegenwart, die uns nicht weniger beschäftigt als die derer, die an Land gekommen sind und unserer Aufmerksamkeit und Hilfe bedürfen“, erklärte er in seiner Predigt vor rund 4.000 Gläubigen. Leo XIV. beklagte auch ein Desinteresse an der Lage in den Herkunftsländern, „ein globales Wirtschaftssystem, das Armut und Ausgrenzung verursacht“ und „die Vorstellung, dass uns diese Probleme nichts angehen“.

Gedenken an Vorgänger Papst Franziskus

Der Besuch des Papstes auf der Insel dauerte nur wenige Stunden. Er sei gekommen, um den Menschen für die Nähe zu danken, „die viele von euch bewusst gepflegt haben“, sagte er. Lampedusa wurde in den vergangenen Jahren zu einem Schlaglicht für die Migration nach Europa. Auch heute noch kommen nach Angaben des Roten Kreuzes und der Organisation Mediterranean Hope jährlich im Schnitt rund 40.000 Menschen über das Mittelmeer nach Lampedusa.

Bei seinem Aufenthalt auf Lampedusa traf der Papst mit Migrantinnen und Migranten, Helfenden und Behördenvertretern zusammen. Der Landungssteg, an dem Bootsflüchtlinge oft ankommen, wurde umbenannt und trägt nun den Namen von Leos Vorgänger, Papst Franziskus. Dieser hatte 2013 Lampedusa zum ersten Reiseziel seines Pontifikats (2013-2025) gemacht.