Rehlinger: Misstrauen bei Krankmeldungen nicht angebracht

Rehlinger: Misstrauen bei Krankmeldungen nicht angebracht
Die saarländische Ministerpräsidentin Rehlinger will die Frage nach der Ursache für im Schnitt viele Krankheitstage in Deutschland auf die Agenda heben.

Berlin (epd). In der Debatte um eine geplante Verschärfung der Regelungen bei Krankmeldungen sieht die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) Nachbesserungsbedarf an. Die Zahl der Krankentage in Deutschland sei „schon etwas, worum man sich dann kümmern muss“, sagte sie im „Interview der Woche“ des Deutschlandfunks. Ob die nun vorgelegten Pläne allerdings das richtige Instrument dafür seien, bezweifle sie.

„Zum einen muss man noch mal zum Ausdruck bringen, so ein grundsätzliches Misstrauen, dass sich da irgendwie jeder zum Blaumacher gemausert hat, das ist nicht angebracht“, betonte Rehlinger mit Blick auf die geplante Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon am ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Die SPD-Politikerin verwies zugleich auch auf die große Problematik in der Umsetzung: „Die Arztpraxen sind ohnehin schon gut gefüllt, insbesondere die hausärztlichen Arztpraxen“, sagte sie. „Und wenn jetzt auch noch jede Menge Menschen dorthin gehen, im Übrigen in der Regel ja dann auch mit Erkältung, Schnupfen, Magen-Darm et cetera, die vielleicht besser nicht im Wartezimmer sitzen würden, dann ist das sicherlich auch nicht die günstigste Ausgestaltung.“

Was sind das für Krankheitstage?

Auf die Agenda der Sozialpartner müsse ihres Erachtens noch einmal die Frage nach der Ursache für die Krankheitstage, sagte die Ministerpräsidentin. „Sind das eher Krankentage, die durch kurzfristige Erkrankungen entstanden sind, oder sind es längerfristige Erkrankungen, die etwas mit Ergonomie am Arbeitsplatz zu tun haben? Sind es psychische Erkrankungen? Wie ist die Belastungssituation am Arbeitsplatz?“

Die Spitzen der Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD hatten am Mittwochabend beschlossen, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Zudem sollen Beschäftigte ab dem ersten Fehltag eine Krankschreibung vorlegen müssen.