Frankfurt a.M. (epd). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht die von der Bundesregierung geplante Attestpflicht bereits am ersten Krankheitstag als Gefahr für Kranke und Betriebe. Eine solche Regelung führe dazu, dass mehr Menschen trotz Erkrankung arbeiteten, warnte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). „Das befördert zwangsläufig mehr Präsentismus - also die Arbeit trotz Erkrankung - mit allen negativen Folgen: weniger Produktivität und mehr chronische Erkrankungen“, betonte sie.
Piel kritisierte zudem die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Zusammen mit der Pflicht zu einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag führe dies „direkt in die Überlastung aller Arztpraxen im Land“, sagte sie. Die Spitzen der Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD hatten am Mittwochabend beschlossen, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Zudem sollen Beschäftigte ab dem ersten Fehltag eine Krankschreibung vorlegen müssen.
Hausärzte fordern Maßnahmen gegen Videosprechstunden-Anbieter
Die Pläne der Koalition haben scharfe Kritik auch in der Ärzteschaft ausgelöst. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband sprach von einer „reinen Symbolpolitik“ der Regierung. Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und eine Verpflichtung zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag würden „weder den Krankheitsstand reduzieren noch Missbrauch verhindern“, sagte die Bundesvorsitzende des Verbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, der „Rheinischen Post“ (Samstag). Sie forderte, stattdessen gegen den „Wildwuchs bei verschiedenen Videosprechstunden-Anbietern“ vorzugehen.
„Wenn irgendwo großes Missbrauchspotenzial liegt, dann bei anonymen Plattformen, die damit Profit machen und ihre Kunden nicht einmal kennen“, erklärte sie. Die telefonische Krankschreibung berge dagegen nicht mehr Missbrauchspotenzial als der normale Besuch in einer Praxis. „Sie ist nämlich - anders als Videosprechstunden - daran gebunden, dass wir die Patientin oder den Patienten kennen“, sagte Buhlinger-Göpfarth.




