Berlin (epd). Der Soziologe Andreas Kemper misst den angekündigten Demonstrationen gegen den AfD-Bundesparteitag am Wochenende in Erfurt eine große Bedeutung bei. „Ich finde die Proteste sehr wichtig“, sagte Kemper am Freitag im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Er verwies auf die Wirkung der Proteste gegen die AfD im Jahre 2024, die durch Medienrecherchen zu einem Treffen Rechtsextremer in Potsdam ausgelöst worden waren.
Damals seien teilweise über eine Million Menschen auf die Straße gegangen, sagte Kemper. „Die AfD hat Woche für Woche einen Prozentpunkt verloren durch diese Großdemonstrationen“, erklärte der Soziologe. Zwischenzeitlich sanken die Zustimmungswerte der Partei in Umfragen damals deutlich.
Großer Einfluss im persönlichen Umfeld
Aus Sicht Kempers kann die Teilnahme an Protesten auch im sozialen Umfeld der Menschen viel bewirken. „Wenn die Leute auf die Straße gehen, dann reden sie darüber auch mit ihren Nachbarn“, sagte der Soziologe. Auf diese Weise würden sich viele dazu bekennen, dass sie gegen die AfD sind. „Das hat, denke ich, einen großen Einfluss“, sagte Kemper.
Der Soziologe vermutet, dass der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Thüringer AfD-Chef Björn Höcke auf dem Parteitag weiter an Einfluss gewinnen könnte. Dessen Co-Landessprecher, Stefan Möller, kandidiert am Wochenende für die Parteispitze. „Das wäre ein Höcke-Mann, der dann im Bundesvorstand sitzen würde“, sagte Kemper. Aus seiner Sicht würde die Wahl Möllers einen Bedeutungszuwachs für die extremen Kräfte in der AfD bedeuten.




