BAG Selbsthilfe will Krankschreibung am ersten Tag ohne Arztbesuch

BAG Selbsthilfe will Krankschreibung am ersten Tag ohne Arztbesuch
Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, Attestpflicht schon am ersten Krankheitstag: Diese Regierungspläne haben nach Einschätzung der BAG Selbsthilfe vor allem für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen negative Folgen.

Düsseldorf (epd). Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe dringt darauf, dass die von der Bundesregierung geplante Pflicht zur Krankschreibung bereits am ersten Krankheitstag auch ohne Besuch der Arztpraxis möglich ist. Das gehe etwa durch eine digitale ärztliche Einschätzung oder eine telefonische Kontaktaufnahme, sofern dies medizinisch vertretbar sei, erklärte Geschäftsführer Martin Danner am Freitag in Düsseldorf. Das entlaste Patienten ebenso wie die Praxen und sorge dafür, dass ärztliche Ressourcen „für diejenigen zur Verfügung stehen, die sie wirklich benötigen“.

Wer Menschen mit leichten Erkrankungen bereits am ersten Krankheitstag in die Arztpraxis schicke, verursache zusätzlichen organisatorischen Aufwand, ohne einen medizinischen Mehrwert zu schaffen, warnte die BAG Selbsthilfe als Dachverband von mehr als 100 Selbsthilfeorganisationen von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Die Leidtragenden seien insbesondere Patientinnen und Patienten aus diesen Gruppen, die auf eine zeitnahe medizinische Versorgung angewiesen seien. Sie müssten bei Umsetzung der Regierungspläne noch längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Vermeidbare Arztbesuche und Verschärfung der Versorgungslage

Die Spitzen der Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD hatten am Mittwochabend beschlossen, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Zudem sollen Beschäftigte ab dem ersten Fehltag eine Krankschreibung vorlegen müssen. Dieses Vorhaben führe aus Patientensicht zu vermeidbaren Arztbesuchen, binde wertvolle Ressourcen in den Praxen und verschärfe die ohnehin angespannte Versorgungslage, kritisierte die BAG Selbsthilfe.

Die telefonische Krankschreibung hat sich nach Einschätzung des Verbands vor allem bei bekannten Patientinnen und Patienten bewährt. Sie erspare unnötige Wege, reduziere Wartezeiten und schütze nicht zuletzt immungeschwächte, ältere oder chronisch kranke Menschen vor vermeidbaren Infektionsrisiken in Wartezimmern. Die Pläne der Koalition hatten breite Kritik unter anderem bei Ärzten und Gewerkschaften ausgelöst.