Göttingen (epd). Angesichts multipler gesellschaftlicher Krisen unterstreicht der Göttinger Autor und Coach Sebastian Mauritz die Bedeutung von Resilienz für die Menschen. „Es gibt jenseits dessen, was in Kindheit und Jugend angelegt wurde, einiges, was jeder Mensch aktiv und konkret für die eigene Resilienz tun kann“, sagte der Resilienztrainer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Grundlage dafür sei es, das eigene Leben und Tun bewusst zu reflektieren. Mauritz ist Leiter der vor 15 Jahren gegründeten Resilienz-Akademie Göttingen.
Resilienz ist Mauritz zufolge deshalb so bedeutsam, weil sie „unsere mentale Gesundheit vor und nach Widrigkeiten schützt, puffert und wiederherstellt“. Krisen, Probleme und Stress bewältigen zu können, gehöre seit Anbeginn zum Leben von Menschen dazu, sagte Mauritz. Wie gut das gelinge, sei jedoch individuell unterschiedlich. „Jeder kennt Menschen, die Dinge leichter nehmen und mit Belastungen besser zurechtkommen als andere.“
Nicht alle Entspannungsmethoden sind gesund
Entscheidend für eine stabile Resilienz sei unter anderem die Fähigkeit zur Selbstregulation. „Jeder sollte sich fragen, wie gut er abschalten kann, und was er tut, um zu entspannen“, sagte Mauritz. Möglichkeiten gebe es viele, aber nicht alle seien gesund. Sport, Bewegung, Zeit mit Freunden, Yoga, Atemübungen und Natur -- all das seien gute Ideen. „Wenn Sie aber zum Herunterkommen stundenlang im Handy scrollen, Alkohol trinken, Marihuana rauchen oder Zucker konsumieren müssen, zahlen Sie dafür einen hohen Preis.“
Familie, Freunde und soziale Kontakte sowie ein wertschätzender Umgang miteinander wirkten sich ebenso positiv auf die mentalen und seelischen Widerstandskräfte aus wie eine Tätigkeit, die als sinnvoll erlebt wird, sagte Mauritz. „Gelegentlich sollten wir reflektieren, ob wir unser Tun, ob Beruf, Ehrenamt oder Hobby, als sinnstiftend erleben“, rät der Resilienzexperte.
Auch unangenehme Gefühle haben ihren Sinn
Bei unangenehmen Emotionen wie Ärger oder Wut rät Mauritz dazu, sich das Positive an diesen Gefühlen vor Augen zu führen. „Sie machen mir deutlich, wo ich stehe und führen mir meine Wertvorstellungen vor Augen“, sagte er. Ärgerlich reagierten Menschen immer dann, wenn ihre Werte verletzt würden. „Es ist ratsam, dann ins Gespräch zu gehen und deutlich zu machen, wofür man steht und warum einen das Verhalten des Gegenübers verärgert hat.“
Einen Beitrag zu innerer Stärke kann laut Mauritz auch Spiritualität leisten. Die Fähigkeit, sich mit etwas Größerem verbunden zu fühlen, könne helfen, Verbundenheit, Hoffnung und innere Orientierung zu erleben - besonders in Situationen, die nicht vollständig kontrollierbar seien, sagte der Resilienzexperte. Entscheidend dabei sei, Spiritualität nicht als Verdrängung oder Flucht vor Problemen zu nutzen, sondern als Ressource, um Belastungen besser einzuordnen, Emotionen zu regulieren und handlungsfähig zu bleiben.




