Berlin (epd). Die Regierungskoalition erntet breite Kritik für ihren Plan, die Regeln für Krankschreibungen zu verschärfen. Die Pläne seien „absolut katastrophal“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, am Donnerstag dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. „Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird.“ Die Koalition mache sich mit „vollkommen faktenfreien Beschlüssen“ unglaubwürdig.
CDU, CSU und SPD hatten im Koalitionsausschuss am Mittwochabend verabredet, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Zudem soll es für Beschäftigte ab dem ersten Fehltag die Pflicht geben, eine Krankschreibung vorzulegen. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte der „Bild“-Zeitung, die Koalitionspläne seien „das Gegenteil von Bürokratieabbau. Damit kommen noch mehr Menschen in die Praxen, die eh schon voll sind.“
Ver.di und VdK beklagen „Misstrauenskultur“
Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Werneke, erklärte, es sei „Ausdruck einer grundsätzlichen Misstrauenskultur“, wenn sich Beschäftigte „vom ersten Tag an beispielsweise mit einem grippalen Infekt zum Arzt schleppen sollen“. Die Vorsitzende der IG Metall, Christine Benner, sprach davon, dass die Koalition „den Arbeitgebern eine unsoziale Wunschliste erfüllt“.
Als „Misstrauenskultur“ wertete auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, die Pläne. „Wir wissen inzwischen, dass sich Menschen viel eher krank zur Arbeit schleppen, wenn kurzfristige Krankschreibungen dermaßen verkompliziert werden“, erklärte sie. „Das hilft am Ende niemandem.“
Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen äußerte sich ebenfalls kritisch. „In einer Zeit, in der die Koalition das Gesundheitswesen mit ihrer Kürzungspolitik in den Würgegriff nimmt, schickt sie gleichzeitig Millionen zusätzlicher Patienten für reine Zettelwirtschaft in die Arztpraxen“, sagte er dem „Spiegel“. Von einem „Schlag ins Gesicht der arbeitenden Menschen“ sprach die Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner in der „Rheinischen Post“.




