Vatikan exkommuniziert alle Kleriker der Piusbruderschaft

Vatikan exkommuniziert alle Kleriker der Piusbruderschaft
Am Mittwoch haben die Piusbrüder in der Schweiz ohne päpstliche Erlaubnis vier neue Bischöfe geweiht. Der Vatikan bestätigt nun offiziell deren Exkommunikation. Diese betrifft nicht nur die Beteiligten an der Weihe.
02.07.2026
epd
Von Almut Siefert und Franziska Hein (epd)

Rom (epd). Nach der unerlaubten Bischofsweihe in der Schweiz hat der Vatikan alle Geistlichen der ultrakonservativen Piusbruderschaft exkommuniziert. In einer am Donnerstag veröffentlichten Note der Glaubensbehörde schließt der Vatikan nicht nur alle Beteiligten der Weihe aus der katholischen Kirche aus, sondern auch alle „Geistlichen, die der Priesterbruderschaft angehören“.

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. hatte am Mittwoch an ihrem Hauptsitz im Schweizerischen Écône vier Männer zu Bischöfen geweiht gegen das Verbot von Papst Leo XIV., dem katholischen Kirchenoberhaupt. Die Bruderschaft befindet sich seit Jahrzehnten mit dem Vatikan im Konflikt. Mit der Exkommunikation ihrer Kleriker endet nun vorerst eine jahrzehntelange Auseinandersetzung.

Piusbrüder werden zu „schismatischer Sekte“

Nach Ansicht der Piusbrüder sichert die Bischofsweihe das Überleben ihrer Glaubensgemeinschaft. Der Münsteraner Kirchenrechtler, Thomas Schüller, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Historisch haben sich die Piusbrüder aus der katholischen Kirche herausentwickelt zu einer schismatischen Sekte.“

Der Vatikan hatte die Bischofsweihe per Dekret als „Akt schismatischer Natur“ eingestuft auch mit Konsequenzen für Laien. „Was die Laiengläubigen betrifft, so sind diejenigen als schismatisch und exkommuniziert anzusehen, die der Bruderschaft formell angehören“, schreibt der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, in einer beigefügten Erläuterung.

Das Dekret verbiete römisch-katholischen Gläubigen zudem, bei Piusbrüdern die Sakramente zu empfangen, sagte Kirchenrechtler Schüller. Eine vom mittlerweile verstorbenen Papst Franziskus befristete Ausnahme bezüglich Buße und Eheschließung werde damit auch zurückgenommen.

Gespräche waren vergeblich

Die Piusbruderschaft, der aktuell nach eigenen Angaben weltweit rund 700 Priester angehören, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) gegründet. Die Piusbrüder weisen viele der Reformen zurück, darunter die Anerkennung der Religionsfreiheit und die Öffnung der Kirche für Dialoge mit anderen Kirchen und Religionen.

Kardinal Fernández betonte am Donnerstag, Gespräche mit der Priesterbruderschaft seien nicht erfolgreich gewesen. Seit der Zeit von Papst Paul VI. (1963 bis 1978) bis hin zu den jüngsten Gesprächen im Februar hätten sich die „zahlreichen Versuche, die Anhänger der Bewegung wieder in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu führen“, als vergeblich erwiesen. Die Situation habe sich durch die jüngsten Bischofsweihen weiter verschärft.

Bei der Bischofsweihe in Écône hatten die Piusbrüder die Kurie in Rom attackiert. Die kirchlichen Autoritäten seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis heute seien „von einem Geist beseelt, der dem des Glaubens entgegensteht“ und handelten gegen die „heilige Tradition“.