Düsseldorf (epd). Die Beschäftigten in Deutschland haben 2025 einer Studie zufolge weniger Arbeitskämpfe geführt als im Jahr zuvor. Es habe schätzungsweise 261 Arbeitskämpfe gegeben, heißt es in der am Donnerstag in Düsseldorf veröffentlichten Arbeitskampfbilanz des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Das waren weniger als im Vorjahr mit 286 und im Rekordjahr 2023 mit 312 Arbeitskämpfen. Die Zahl sei rückläufig, liege aber über den Jahren kurz vor der Corona-Pandemie.
An Streiks haben den WSI-Berechnungen zufolge im vergangenen Jahr 552.000 Menschen teilgenommen. Dabei seien 645.000 Arbeitstage ausgefallen. Beide Werte liegen deutlich unter den Ergebnissen von 2024. Die Zahlen deuteten auf eine geänderte Arbeitskampfführung der Gewerkschaften hin, hieß es. Unbefristete Flächenstreiks seien zur Ausnahme geworden, stattdessen gebe es eher einzelne, kurze Arbeitsniederlegungen.
Deutschland international im Mittelfeld
Die Gründe für die Streiks waren der Analyse zufolge unterschiedlich: In rund der Hälfte der Arbeitskämpfe sei es ausschließlich um ein höheres Entgelt gegangen, in weiteren rund 15 Prozent um Konstellationen aus Entgelt- und Arbeitszeitregelungen. Bei mehr als jedem vierten Arbeitskampf (27 Prozent) hätten die Beschäftigten um die Tarifbindung ihres Unternehmens gerungen, vor allem um Haustarifverträge.
Im internationalen Vergleich werde in Deutschland weiterhin vergleichsweise wenig gestreikt, hieß es. Auf internationalen Spitzenplätzen stünden 2025 Finnland, Frankreich, Kanada und Belgien mit zwischen 100 und 92 Ausfalltagen im Jahresschnitt. Deutschland liege nach Großbritannien, Norwegen und den USA mit 32 bis 23 Ausfalltagen im Mittelfeld.
Die seit 2008 veröffentlichte Arbeitskampfbilanz des WSI basiert den Angaben zufolge auf Gewerkschaftsangaben, Pressemeldungen und Medien-Recherchen.




