Gegen den Willen Roms: Piusbruderschaft weiht vier neue Bischöfe

Gegen den Willen Roms: Piusbruderschaft weiht vier neue Bischöfe
Die traditionalistische Piusbruderschaft hat am Mittwoch ohne Mandat des Papstes vier Bischöfe geweiht. Damit provozieren sie die Exkommunikation aus der römisch-katholischen Kirche. Nun wird mit Spannung die Antwort des Vatikans erwartet.
01.07.2026
epd
Von Stephan Cezanne (epd)

Frankfurt a.M., Écône (epd). Die ultrakonservative katholische Piusbruderschaft hat am Mittwoch gegen das ausdrückliche Verbot Roms vier Priester zu Bischöfen geweiht. An der online übertragenen Freiluftmesse im schweizerischen Écône nahmen Tausende Gläubige teil. Der Akt ohne päpstliches Mandat kommt nach geltendem Kirchenrecht einer Spaltung gleich. Papst Leo XIV. hatte den Generaloberen der Gemeinschaft, Davide Pagliarani, zuvor eindringlich dazu aufgerufen, auf die Weihen zu verzichten. Nun wird mit Spannung die Reaktion des Kirchenoberhauptes auf die unerlaubten Weihen und die damit verbundene Provokation erwartet.

Rom untersagt der Piusbruderschaft die Bischofsweihen, weil diese kirchenrechtlich nicht anerkannt sind und Weihen ohne päpstliches Mandat als kirchenspaltende Handlung gelten. Die Vereinigung beruft sich dagegen auf die Notwendigkeit, das Überleben ihrer Gemeinschaft zu gewährleisten. Ohne Bischöfe könnten sie keine neuen Priester weihen, erklärte die Priesterbruderschaft St. Pius X. selbst. Die Zeremonie vom 1. Juli habe zum Ziel, die Spendung der Sakramente der Priesterweihe und der Firmung zu bewahren.

Pascal Schreiber arbeitet in Deutschland

Die neuen Bischöfe der Piusbruderschaft sind Michael Goldade (USA), Michel Poinsinet de Sivry sowie Marc Hanappier (beide Frankreich). Auch der Schweizer Pascal Schreiber, seit 2020 Regens des Priesterseminars Herz-Jesu im oberpfälzischen Zaitzkofen, wurde geweiht. Zaitzkofen gehört zur Diözese Regensburg. Die liturgisch reich ausgeschmückte Bischofsweihe mit Salbung führte Bischof Alfonso de Galarreta als Hauptkonsekrator, assistiert von Bischof Bernard Fellay aus. Beide wurden 1988 ebenfalls ohne Erlaubnis des Vatikans zu Bischöfen geweiht und anschließend exkommuniziert, was Papst Benedikt XVI. jedoch zurücknahm.

Man habe die Pflicht, den Glauben zu bewahren, so wie ihn die „Kirche immer gelehrt hat“, sagte der Generalobere Pagliarani in seiner auf Französisch gehaltenen Predigt in der Messe. An Papst Leo schrieb der Generalobere am Dienstag: „Fern liegt uns der Gedanke, uns von der Römischen Kirche zu trennen.“

Erzbischof: „Akt des Ungehorsams“

Dagegen unterstützt der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, die Haltung von Papst Leo XIV. und verurteilte die unerlaubten Bischofsweihen. „Durch diesen Akt des Ungehorsams haben sich sowohl die Spender als auch die Empfänger der Weihe selbst exkommuniziert und einen schismatischen Akt gesetzt“, erklärte er in einer Stellungnahme. Gleichzeitig betonte Lackner die notwendige Einheit mit dem Papst. Jedes Schisma sei für die Kirche weltweit schmerzhaft, „zugleich ist nun ein Schlusspunkt hinter eine jahrzehntelange Konfliktgeschichte zwischen Rom und der Piusbruderschaft gesetzt worden“.

Die Piusbruderschaft, der aktuell nach eigenen Angaben weltweit rund 700 Priester angehören, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) gegründet. Weil die Piusbrüder viele dieser Reformen als zu liberal zurückweisen, stehen sie im offenen Konflikt mit dem Vatikan.