Berlin (epd). Der Präventionsexperte Thomas Mücke hat wegen der zunehmenden Radikalisierung junger Menschen stärkeren politischen Druck auf Social Media-Plattformen gefordert. Gegen die Radikalisierung in den sozialen Netzwerken aufgrund der Funktionsweise der Algorithmen gebe es nur einen Hebel, nämlich Regulierung, sagte der Geschäftsführer des Violence Prevention Networks dem Berliner „Tagesspiegel“ (Print/Mittwoch).
Mücke sprach sich für eine Altersbeschränkung für Social Media aus: „Ein Verbot bis zu einem gewissen Alter ist gegenwärtig der einzige realistische Weg, um auf die Plattformen einzuwirken.“
Vergangene Woche hatte eine Expertenkommission ihre Empfehlungen für den Schutz Minderjähriger im Netz an Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) übergeben. Die von ihr eingesetzte Kommission sieht Regulierungsbedarf bei Social Media-Plattformen, legte sich aber bei der Altersgrenze nicht fest - und plädierte ausdrücklich für eine europäische Regelung. Prien bleibt indes bei ihrer Forderung nach einer Altersgrenze für Social Media-Plattformen.
Jugend in der Dauerkrise
Der Pädagoge und Politologe beobachtet nach eigenen Angaben seit drei Jahren bei Islamismus und Rechtsextremismus „eine starke Verjüngung der Szene“. Junge Menschen lebten seit der Corona-Pandemie in einer „Dauerkrise“. Dazu gehörten Kriege, Klimawandel, wirtschaftliche wie soziale Unsicherheit sowie „die kaum abschätzbaren Folgen von KI“: „Wer in einer prekären Lebenssituation ist, wird empfänglicher für extremistische Botschaften.“ Dieser Dauerdruck brauche eine gesellschaftliche Antwort, sagte Mücke.
Das Violence Prevention Network sitzt in Berlin und engagiert sich nach eigenen Angaben bundesweit seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Extremismusprävention.




