Verfassungsschutz geht von mehr Extremisten aus

Verfassungsschutz geht von mehr Extremisten aus
Einmal im Jahr gibt der Verfassungsschutz einen Überblick über die Szenen der Extremisten in Deutschland. Die Zahl der Rechtsextremisten ist nach seiner Einschätzung weiter gestiegen.
30.06.2026
epd
Von Lukas Philippi und Corinna Buschow (epd)

Berlin (epd). Die Zahl der Extremisten in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz von rechtsaußen bis ganz links weiter angestiegen. Dabei komme „die größte Bedrohung für unsere Demokratie“ weiterhin von Rechtsextremisten, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag in Berlin zur Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2025. Die Zunahme linksextremer Gewalt, etwa auf kritische Infrastruktur, nannte der CSU-Politiker „ein ernstes Warnsignal für unseren Rechtsstaat“.

Laut Verfassungsschutzbericht wurden 2025 insgesamt 58.851 Straftaten mit extremistischem Hintergrund registriert, 2024 waren es 57.701. Die Zahl der darin enthaltenen Gewalttaten stieg um rund zehn Prozent auf 3.294.

Demokratie unter Druck

Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen sagte, die Demokratie stehe „unter vielfältigem Druck von außen wie von innen“. Dabei verwies er auf Fälle von Sabotage, Spionage, Desinformation und Terrorismus. „Wir werden praktisch permanent angegriffen“, betonte er. Deutschland sei eines der wichtigsten Ziele für ausländische Nachrichtendienste, vor allem aus Russland, China und dem Iran.

Das Personenpotenzial im Rechtsextremismus schätzt der Verfassungsschutz auf rund 58.700 Anhänger, 17 Prozent oder 8.450 mehr als im Vorjahr. Darunter befänden sich rund 15.600 Gewaltbereite, hieß es. Im Fokus rechtsextremer Agitation stünden weiter die Themen Asyl und Migration. Die Steigerung hänge vor allem mit der gewachsenen Anhängerschaft der AfD zusammen. Die Partei wird vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für verfassungsfeindliche Bestrebungen geführt.

Mehr Rechtsextremisten in der AfD

Angesichts der steigenden Mitgliederzahl der Partei sei davon auszugehen, dass sich auch das extremistische Personenpotenzial innerhalb der AfD entsprechend vergrößert habe, heißt es im Bericht. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass rund 28.000 Anhänger der AfD der rechtsextremen Szene zuzurechnen sind. Im Vorjahr waren es 20.000.

Das linksextreme Personenpotenzial stieg demnach 2025 auf 42.200 Personen, 2024 waren es 38.000. Davon seien 11.600 gewaltorientiert, hieß es. Dem Bereich Islamismus und islamistischer Terrorismus rechneten die Verfassungsschützer 28.645 Personen zu, 365 mehr als im Jahr davor. Darunter seien geschätzt 9.110 gewaltorientierte Personen, ein Rückgang um 430, hieß es.

Das Personenpotenzial im auslandsbezogenen Extremismus stieg demnach um mehr als 1.300 Personen auf 33.850 an, darunter rund 22.000 Gewaltorientierte.

Antisemitismus als verbindendes Glied

Mit Blick auf den wachsenden Antisemitismus betonte Dobrindt, dieser sei zu einem verbindenden Merkmal der Extremisten geworden. Grund sei nicht zuletzt der andauernde und durch den Iran-Krieg noch verschärfte Nahost-Konflikt.

Eine zunehmende Bedrohung sieht der Verfassungsschutz durch junge, online radikalisierte Täter. Dies gelte insbesondere für die rechtsextreme und islamistische Szene, hieß es. Aktivisten seien besonders in sozialen Medien wie Instagram und TikTok aktiv. Onlinemedien und Content-Creator wirkten als Multiplikatoren. Gaming-Plattformen wie Roblox würden genutzt, um junge Menschen anzusprechen und ideologisch zu beeinflussen.