Berlin, Kassel (epd). Mit der Gründung eines bundesweiten Fachverbandes wollen sich Krankenhaus-Seelsorger und -Seelsorgerinnen mehr Gehör gegenüber Politik und Kirchen verschaffen und ihre Interessen bündeln. Der konfessionsübergreifend ausgerichtete Verband solle dazu beitragen, die qualitative und quantitative Substanz zu erhalten und zu stärken, sagte die Vorsitzende der Konferenz für Krankenhaus-Seelsorge in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anne Heimendahl. Ziel sei ein „professioneller Ansprechpartner für die Öffentlichkeit, die Gesundheitspolitik und für die Anstellungsträger der Seelsorger“, fügte Heimendahl im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) hinzu.
Angemeldet für die Gründung des Verbandes für Krankenhausseelsorge und Spiritual Care im Gesundheitswesen hätten sich bisher 30 hauptamtlich tätige Seelsorger aus dem gesamten Bundesgebiet. Mit der Verbandsgründung am Samstag (4. Juli) in Kassel solle auch darauf reagiert werden, dass einerseits der Bedarf und die Nachfrage nach Seelsorge in Krankenhäusern zunehme. „Andererseits gehen die personellen und finanziellen Ressourcen der Kirchen zurück“, sagte Heimendahl. Seelsorge in Kliniken stehe damit, wie auch andere Aufgaben in den Kirchen, unter Druck.
Auch Ärzte und Pfleger im Blick
Heimendahl ist auch Landespfarrerin für Krankenhaus- und Altenpflegeheimseelsorge in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Sie stellte klar, dass sich Krankenhaus-Seelsorge keinesfalls nur an Patientinnen und Patienten richte: „Auch überlastete Pflegepersonen mit Sinnfragen oder etwa Ärztinnen und Ärzte in ethischen Grenzsituationen wenden sich an uns.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO benenne spirituelle und psychosoziale Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten als wesentliche Säulen der Gesundheitsversorgung. „Dass sich viele Menschen nicht mehr als religiös definieren bedeutet nicht, dass sie in Krankheit oder im Sterben keine existenziellen Fragen oder spirituellen Bedürfnisse haben“, sagte Heimendahl.
„In der gesundheitspolitischen Realität spiegelt sich das aber häufig noch nicht ausreichend wider“, beklagte Heimendahl. Nach ihren Worten gibt es bundesweit rund 2.000 evangelische und katholische Krankenhaus-Seelsorgerinnen und -Seelsorger. Hinzu kämen wenige ehrenamtliche muslimische Seelsorger. Durchgängig werde von einem wachsenden Bedarf berichtet: „Im Gegensatz zum Klinikpersonal haben Seelsorger in der Regel Zeit, zum Zuhören und auch zum Reden.“




