Mit Fächern und Zuversicht in ein neues Kapitel der Landeskirche

Mit Fächern und Zuversicht in ein neues Kapitel der Landeskirche
Christina-Maria Bammel wird erste Bischöfin in Braunschweig
Blaues Armband statt Eintrittskarte, Fächer und Wasserflaschen gegen die Hitze. Die braunschweigische Landeskirche feierte mit einem besonderen Gottesdienst im Dom die Amtseinführung der neuen Bischöfin Christina-Maria Bammel.
27.06.2026
epd
Von Charlotte Morgenthal (epd)

Braunschweig, Wolfenbüttel (epd). Draußen sind es 37 Grad, am Eingang des Braunschweiger Doms werden für die Besucher Wasserflaschen und Fächer verteilt. Die angemeldeten 500 Gäste erhalten ein blaues Armband und es entsteht beinahe der Eindruck eines Festivals, doch das Equipment wird für den folgenden Gottesdienst ausgegeben. Für die braunschweigische Landeskirche ist an diesem Tag vieles anders: Erstmals in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte steht eine Frau an ihrer Spitze. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde die promovierte Theologin Christina-Maria Bammel (53) in ihr Amt eingeführt.

Im Dom ist es kühler, aber die Fächer der Gäste geben ein bewegtes Bild. Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, erinnert zur Amtseinführung an Bammels Biografie: Geboren und aufgewachsen in Erfurt, sei sie geprägt von den Erfahrungen eines Landes im Umbruch und habe sie von Beginn an sensibel gemacht für Veränderungen und Brüche in Lebens- und Glaubenshaltungen anderer Menschen.

„Geduldig, aufmerksam und hörbereit“

Die neue braunschweigische Landesbischöfin sei in ihrem öffentlichen Wort klar und manchmal auch kämpferisch, konfliktbereit und leidenschaftlich in der Suche nach einem Kompromiss, sagte Meister. Auf Widersprüche „reagiere sie geduldig, aufmerksam und hörbereit“. Eine Haltung, die gut sei für den Dienst als Bischöfin.

Bammel wurde Ende des vergangenen Jahres zur Nachfolgerin von Landesbischof Christoph Meyns gewählt. Zuvor war sie seit 2019 Pröpstin des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und leitete dort die Abteilung Theologische Grundsatzfragen und Kirchliches Leben. Sie war auch Mitglied der Kirchenleitung und der Landessynode sowie Stellvertreterin des Berliner Bischofs Christian Stäblein. Der leitende Theologe beschrieb Bammel als Seelsorgerin, die ihr Herz für das Evangelium und die Menschen gebe. Entsprechend seien die Abschiedsschmerzen in Berlin „sehr, sehr groß“.

Eine zupackende Optimistin

Der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Heiko Mohrs (SPD) lobte Bammels „offene zupackende Art“, verbunden mit einer großen optimistischen Perspektive. Zugleich sei sie sich bewusst, dass die Lebensrealitäten von vielen Menschen in den Gemeinden „verdammt schwierig“ seien.

In Ihrer Predigt warb Bammel dafür, sich vom Glauben an Gott und der Vision einer besseren Welt tragen zu lassen. „Es ist möglich, dass die Uhren anders gehen und die Peiniger entmachtet sind.“ In dieser Welt müsse sich „niemand mehr vor Beben oder vor Feinden sichern in schwarzer Stunde, den Bunker aufsuchen, weinende verwaiste Kinder trösten oder in U-Bahn-Schächten ausharren“, sagte Bammel mit Blick auf die kriegs- und krisengeprägte Weltlage. Das Ziel müsse „ein Raum der Gemeinschaft sein, in dem niemand verloren geht“.

Werkzeug des Friedens

Nach dem zweieinhalbstündigen Gottesdienst bleiben, wie bei einem Festival, zwischen den Kirchenstühlen zahllose Wasserflaschen liegen. Die Besucher nehmen wohl anderes mit. Etwa einen Nachklang der Domsingschüler, die unter anderem das Lied „Lord, make me an instrument of Thy peace“ sangen. Die Zeile aus dem Gebet des heiligen Franziskus von Assisi steht auch auf den blauen Bändern: „Mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens.“