Essen (epd). Erste Ergebnisse einer Studie haben Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Essener Bischof Franz Hengsbach (1910-1991) als glaubwürdig eingestuft. Wie die mit der Studie beauftragten Wissenschaftler am Donnerstag bei der Vorlage eines Zwischenberichts mitteilten, sind die Anschuldigungen in fünf Fällen durch glaubwürdige Quellen belegt. Insgesamt gebe es vier Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von drei minderjährigen Mädchen und einem Jungen „mit hohem Quellenwert“, hieß es. In einem weiteren Fall sei es zu einer deutlichen Grenzüberschreitung gekommen.
Diese Vorwürfe sexualisierter Gewalt durch Hengsbach seien „gut belegt und als plausibel einzustufen“, heißt es in dem Bericht. Insgesamt untersuchten die Forscher zwölf Vorwürfe der sexuellen Gewalt oder des grenzverletzenden Verhaltens gegenüber Minderjährigen.
Bischof Overbeck räumt Fehler bei Aufarbeitung ein
Dem amtierenden Essener Bischof Franz-Josef Overbeck werfen die Wissenschaftler vor, der Meldung eines Missbrauchsvorwurfs gegen Hengsbach 2014 nicht nachgegangen zu sein. Overbeck entschuldigte sich dafür bei den Betroffenen und dem Forscherteam. Er habe sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen können, dass sein Vorgänger zu solch furchtbaren Taten fähig gewesen sei. „Das war mein Fehler.“
Das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München, die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) und das Berliner Institut für Bildung und Forschung Dissens untersuchen die Missbrauchsanschuldigungen gegen Hengsbach seit Oktober 2024, nachdem das Bistum Essen im September erstmals zwei Verdachtsfälle bekanntgegeben hatte.
Finanziert wird die Studie vom Bistum Essen, vom Erzbistum Paderborn, der Bischöflichen Aktion Adveniat, der katholischen Soldatenseelsorge und dem Zentralkomitee der Katholiken. Auch in diesen Institutionen hatte Hengsbach an leitender Stelle gewirkt.




