"Kompass 2026" mahnt Kurswechsel in Entwicklungshilfe an

"Kompass 2026" mahnt Kurswechsel in Entwicklungshilfe an
Angesichts der geplanten Kürzungen in Entwicklungsetat und humanitärer Hilfe rufen Welthungerhilfe und Terre des Hommes die Bundesregierung zum Umdenken auf. "Wir löschen noch Brände, aber wir investieren nicht mehr in Brandschutz", warnen sie.

Berlin, Bonn (epd). Die Welthungerhilfe und die internationale Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes sehen wachsende Gefahren für die weltweite Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe. Mangelnde politische Unterstützung, drastisch sinkende Finanzierung und eine zunehmende Missachtung des humanitären Völkerrechts erschwerten den Zugang zu Menschen in Not, warnten die Organisationen am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung ihrer Bestandsaufnahme „Kompass 2026“. Zudem werde humanitäre Hilfe zunehmend politisiert und instrumentalisiert.

In ihrem Bericht fordern die Organisationen die Bundesregierung „mit Nachdruck“ auf, von den geplanten Kürzungen im Budget abzusehen. „Die Entwicklungshilfe steht unter enormem Druck“, warnte Welthungerhilfe-Vorstandsvorsitzender Mathias Mogge. „Wir löschen noch Brände, aber wir investieren nicht mehr in Brandschutz“, beschrieb der Vorstandssprecher von Terre des Hommes, Joshua Hofert, die Lage.

„Kompass 2026“ als Ruf zum Handeln

Laut Bundeshaushalt 2027 soll der Etat für das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf 9,5 Milliarden Euro sinken. Das sind rund 600 Millionen Euro weniger als 2026 und der niedrigste Stand seit 2018. Der Etat für humanitäre Hilfe liegt in diesem Jahr bei einer Milliarde Euro - die Hälfte weniger als noch vor zwei Jahren. Gefordert werden von Welthungerhilfe und Terre des hommes mindestens 2,8 Milliarden Euro.

Der „Kompass 2026“ mache deutlich, dass die Bundesregierung ihre humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung nicht nur reformieren, sondern auch politisch und finanziell absichern müsse, betonten die Organisationen. Darüber hinaus brauche es von deutscher Seite mehr diplomatische Bemühungen, einer Politisierung humanitärer Hilfe entgegenzutreten.