Forscher: Kapitalrente kostet Wirtschaftskraft

Forscher: Kapitalrente kostet Wirtschaftskraft
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kritisiert einzelne Elemente der vorgeschlagenen Rentenreform. Besonders das neue kapitalgedeckte Element sei problematisch.

Düsseldorf (epd). Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung warnt vor Risiken der Vorschläge für eine Rentenreform. Ein schrittweiser Anstieg des Beitragssatzes um zwei Prozentpunkte zur Finanzierung eines kapitalgedeckten Elements entziehe Kaufkraft und verringere Konsumnachfrage und Wirtschaftswachstum, erklärten Forscherinnen und Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz.

„Eine Folge davon wären auch niedrigere Einnahmen für Staat und Sozialversicherungen“, hieß es. Der geplante Kapitalstock wäre auch für schnelle Entlastung der Rentenversicherung ungeeignet, erklärte IMK-Direktor Sebastian Dullien, weil er erst aufgebaut werden müsse, ehe er Erträge abwerfe.

33 Vorschläge zur Reform der Rente

Am Dienstag hatte eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission 33 Vorschläge zur Reform der gesetzlichen Rente präsentiert. Dazu zählen neben dem kapitalgedeckten Element beispielsweise die Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und die Abschaffung der vorgezogenen Rente für langjährige Versicherte.

Der Ökonom Peter Bofinger, der Mitglied der Rentenkommission war, räumte ein, dass die Vorschläge der Kommission ein Kompromiss gewesen seien. Die Kapitalrente sei bei diesem Kompromiss „tatsächlich das Hauptproblem“, sagte er. Ein Vorteil des Kompromisses sei hingegen die Abwendung einer Bindung der Renten an die Inflation, die viele Rentner vom Wohlstandswachstum ausgeschlossen hätte. Zudem solle es laut Vorschlag keine Umverteilung innerhalb des Systems geben, denn auch ein Mensch mit vergleichsweise hoher Rente bekomme nicht so viel, dass er davon gut Ärmere unterstützen könne.