Wolfenbüttel (epd). Die Mehrzahl der Pflegeheime in Deutschland ist nach Ansicht der Pflegewissenschaftlerin Martina Hasseler nicht ausreichend auf Hitzewellen vorbereitet. Leitlinien und Empfehlungen hätten sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich weiterentwickelt: „Doch ob und in welchem Umfang sie tatsächlich umgesetzt werden, wie sie wirken und wer dafür die Verantwortung trägt, bleibt weiterhin unklar“, sagte die Professorin der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Jede Einrichtung müsse zwar einen Hitzeschutzplan entwickeln. In vielen Pflegeheimen existierten diese aber noch nicht - oder allenfalls auf dem Papier. Die Pläne müssen laut Hasseler unter anderem kühle Räume ausweisen, Sonnenschutz an Gebäuden sicherstellen und für besonders gefährdete Bewohner eine Risikoanalyse umfassen, sagte Hasseler. Dies umzusetzen, erfordere oft einen großen organisatorischen und finanziellen Aufwand und hohe Expertise. Insbesondere in älteren Gebäuden ohne energetische Sanierung fehlten häufig die Gelder für größere bauliche Anpassungen.
Schutz ist stark von Initiative Einzelner abhängig
Die meisten Einrichtungen reagierten lediglich auf akute Hitzeereignisse, statt präventiv und vorausschauend zu handeln, kritisierte Hasseler, die unter anderem Mitglied einer Kommission des Robert Koch-Instituts ist. „Einzelne Maßnahmen wie vermehrte Getränkerunden, die Anpassung der Aktivitätszeiten oder das Bereitstellen von Ventilatoren sind vielen Häusern vertraut.“ Es fehlten jedoch systematische Hitzewarnsysteme, verbindliche Abläufe und regelmäßige Schulungen für das Personal. „Das führt dazu, dass der tatsächliche Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner stark von der Initiative einzelner Teams oder Leitungen abhängt.“
Außerdem seien in deutschen Pflegeheimen überwiegend Pflegehilfs- und Pflegeassistenzkräfte tätig, die nur gering oder gar nicht fachlich qualifiziert seien, sagte die Expertin. Unklar sei, wie gut diese für die Hitzethematik entscheidende Punkte wie die Flüssigkeitszufuhr bei Bewohnerinnen und Bewohnern richtig einschätzen könnten. Immer wieder werde während der Hitzewellen über vermeidbare Krankenhauseinweisungen berichtet.
Pläne dürfen nicht verschwinden
Es müsse dringend in die pflegefachliche Versorgung, Expertise und in bauliche Anpassungen investiert und die rechtlichen Grundlagen für den Hitzeschutz in Pflegeheimen geschaffen werden, sagte sie. Zudem sollten Daten darüber erhoben werden, wie gut der Hitzeschutz in Pflegeheimen tatsächlich funktioniere. „Es braucht einfach mehr als Pläne, die gegebenenfalls in digitalen Ordnern verschwinden.“




