Sozialethiker: KI stärker regulieren und ethisch begleiten

Sozialethiker: KI stärker regulieren und ethisch begleiten
Der Sozialethiker Elmar Nass sieht viele KI-Entwicklungen kritisch. Sie könnten bei unbedarftem Einsatz Einsamkeit fördern. Es brauche klare Grenzen, ethische Begleitung und eine breite Debatte über grundlegende Fragen wie das Menschenbild.

Düsseldorf (epd). Der Sozialethiker Elmar Nass fordert eine stärkere Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI). „Wir brauchen mehrere Dinge gleichzeitig: Regulierung, gesellschaftliche Debatten und vor allem Bildung“ sagte der katholische Theologe der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Dienstag). Klare Regeln müssten etwa dort definiert werden, wo menschliche Beziehungen durch KI ersetzt werden. Vor allem aber wünsche er sich, dass technologische Entwicklungen von Anfang an ethisch begleitet und klare Grenzen eingezogen werden, betonte der Experte. Dies dürfe nicht erst im Nachhinein geschehen.

Die grundlegenden Fragen, was KI „langfristig mit unserem Menschenbild, unserem Zusammenleben und unserer Gesellschaft macht“, seien „noch längst nicht breit genug angekommen“, sagte Nass. Mit Blick auf den Einsatz von KI für politische Reden warnte er vor einem Eingriff in die demokratische Streitkultur, wenn man sich von KI Gedankengänge und Argumentationsstränge vorgeben lässt: „Der politische Diskurs muss von Menschen geführt werden, nicht von Maschinen.“

Chatbot hat keine Verantwortung oder Empathie

Problematisch ist nach Einschätzung des Sozialethikers auch, wenn Chatbots menschliche Beziehungen ersetzen. Es könne Einsamkeit und Isolation verstärken, wenn digitale Systeme Gespräche mit Freunden oder vertrauten Menschen ersetzen. Bei seelischen Krisen bestehe die Gefahr darin, dass Menschen glaubten, sie führten echte vertrauensvolle Gespräche mit einem Freund, einem Seelsorger oder einem Psychologen. „Aber ein Chatbot ist kein Gegenüber mit Verantwortung oder Empathie“, stellte der Theologe fest.