Weltkirchenrat besorgt wegen Verschärfung der EU-Asylpolitik

Weltkirchenrat besorgt wegen Verschärfung der EU-Asylpolitik
Der Weltkirchenrat kritisiert die vom Europaparlament gebilligte Verschärfung der EU-Asyl-Regeln. Der Dachverband warnt vor einer weiteren Einschränkung des Schutzes für Migranten und Flüchtlinge und fordert die Einhaltung internationaler Standards.

Genf (epd). Der Weltkirchenrat hat sich besorgt über Einschränkungen der EU beim Schutz von Migranten und Flüchtlingen gezeigt. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Jerry Pillay, reagierte damit am Montag in Genf auf die jüngste Zustimmung des Europäischen Parlaments zur Verschärfung der EU‑Asyl- und Abschieberegeln. Der südafrikanische Theologe forderte die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, ihr Engagement für den Schutz von Flüchtlingen und Migranten zu bekräftigen, internationale Rechtsstandards einzuhalten und sich politischen Narrativen zu widersetzen, die mit Angst und Spaltung handeln.

Das Europäische Parlament hatte Mitte Juni eine deutliche Verschärfung der EU-Abschieberegeln beschlossen und damit den Weg frei gemacht für Abschiebezentren in Drittstaaten. Kern des Gesetzes sind Rückführungszentren außerhalb der EU, sogenannte Return Hubs. Dorthin sollen Menschen ohne Aufenthaltsrecht gebracht werden, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden können, etwa weil Staaten die Rücknahme verweigern. Wo solche Zentren entstehen könnten, ist bislang unklar.

„Schutzbedürftige schützen“

„Wir fordern außerdem Kirchen in ganz Europa und darüber hinaus nachdrücklich auf, weiterhin standhafte Stimmen des Gewissens zu sein, Migranten und Flüchtlinge in praktischer Solidarität zu begleiten und sich für eine Politik einzusetzen, die auf Menschenwürde statt auf Ausgrenzung basiert“, sagte er: „In diesem entscheidenden Moment wird sich die Integrität unserer Gesellschaften nicht daran messen lassen, wie effektiv wir die Schutzbedürftigen ausschließen, sondern daran, wie treu wir sie schützen.“

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) mit Sitz in Genf, auch als Weltkirchenrat bekannt, ist ein Zusammenschluss von mehr als 350 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber mit dem ÖRK zusammen.