Geteiltes Echo auf Vorschläge zur Rente

Geteiltes Echo auf Vorschläge zur Rente
Ökonom Fratzscher vermisst "Mut und Konsequenz"
Lob aus der CDU, aber Kritik aus der Jugendorganisation der SPD: Die Vorschläge der Rentenkommission ernten nicht in allen Punkten Beifall.

Frankfurt a.M. (epd). Die am Wochenende bekannt gewordenen Vorschläge der Rentenkommission rufen ein geteiltes Echo hervor. Während der Vorsitzende der Senioren-Union, Hubert Hüppe, und der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel (beide CDU), das Kommissionsergebnis lobten, äußerte Juso-Chef Philipp Türmer Kritik: Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung sei ungerecht.

Hüppe nannte die Vorschläge in der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Montag) „ausgewogen und maßvoll“. Winkel sprach im „Bericht aus Berlin“ am Sonntag in der ARD von einer großen „Chance für die Bundesregierung“ durch die Vorschläge der Kommission. Der Juso-Vorsitzende Türmer sagte indes den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag), es sei nicht hinnehmbar, dass für alle das Renteneintrittsalter an die allgemeine Lebenserwartung gekoppelt werden soll. „Wer mit 18 oder 19 auf dem Bau anfängt oder in der Pflege schuftet, arbeitet somit länger, doch lebt statistisch deutlich kürzer“, argumentierte der Chef der Jugendorganisation der SPD.

Türmer: Renteneintritt an die Beitragsjahre koppeln

Das sei das Gegenteil von gerecht. Eine Kopplung des Renteneintritts an die Beitragsjahre sei die gerechtere Option, sagte Türmer.

Offiziell will die Kommission ihre Vorschläge am Dienstag vorstellen. Mehrere Medien berichteten aber bereits am Wochenende über die insgesamt 30 Einzelvorschläge. Demnach sollen die als „Rente mit 63“ bekannte Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren und die von Rentenbeiträgen befreiten Minijobs abgeschafft werden. Außerdem sollen mehr Menschen als bislang in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, etwa Selbstständige, Beamte und Abgeordnete. Zudem empfiehlt die Kommission eine kapitalgedeckte Zusatzrente, die das Rentenniveau mindestens sichern soll.

Differenziert wird den Medienberichten zufolge das Thema Renteneintrittsalter behandelt: Eine pauschale Anhebung auf 70 Jahre empfehle der Bericht nicht, vielmehr solle das Eintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Steige die Lebenserwartung um ein Jahr, müssten die Beschäftigten nach einem 2:1-Modell wohl acht Monate länger arbeiten und würden vier Monate länger Rente beziehen.