Berlin (epd). Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr schlägt bei der anstehenden Rentenreform Änderungen in zwei wesentlichen Punkten vor: Das Renteneintrittsalter sollte an die Lebenserwartung und die jährliche Erhöhung der Altersbezüge an die Inflation statt an die durchschnittliche Lohnentwicklung gekoppelt werden, sagte der Ökonom dem Nachrichtenportal t-online am Samstag.
„Wenn wir alle im Schnitt ein Jahr länger leben, dann sollten wir von diesem einen Jahr einen Teil auch länger arbeiten“, sagte Felbermayr, der dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seit März angehört. Viele Länder in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) handhabten das schon so. „Deutschland sollte das auch tun, weil es fair und logisch ist.“
„Kein Rentner verliert an Kaufkraft“
Die Rentenerhöhungen an die Teuerung statt an die Lohnentwicklung zu binden, begründete der österreichische Wirtschaftswissenschaftler mit Kosteneinsparungen, weil Löhne „in der Regel schneller steigen als die Preise“. Zudem sei dieser Schritt fair, „schließlich verliert so kein Rentner an Kaufkraft“.
Als drittes plädierte Felbermayr für eine intensivere Prüfung, ob jemand wirklich bedürftig ist und deshalb Anspruch auf zusätzliche Leistungen zum Beispiel bei der Hinterbliebenenrente hat: „Muss die tatsächlich jemand bekommen, der fünf Eigentumswohnungen besitzt“, hinterfragte der Wirtschaftsweise.
Am Dienstag will die Rentenkommission der Bundesregierung Vorschläge für eine Reform der Alterssicherung vorlegen. Der fünfköpfige Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berät die Bundesregierung in wirtschaftswissenschaftlichen Themen. Bis Mitte November veröffentlicht er ein Jahresgutachten und Mitte Mai ein Frühjahrsgutachten mit einer aktualisierten Konjunkturprognose.




