Abschiebungsbeobachtung: Abbruch von Therapien problematisch

Abschiebungsbeobachtung: Abbruch von Therapien problematisch
Die kirchliche Abschiebungsbeobachtung am Flughafen Frankfurt bescheinigt in ihrem Tätigkeitsbericht 2025 der Bundespolizei einen weitgehend respektvollen Umgang mit den betroffenen Personen. Problematisch blieben aber verschiedene Härten.

Frankfurt a.M. (epd). Die von der evangelischen und der katholischen Kirche getragene Abschiebungsbeobachtung am Flughafen Frankfurt hat im vergangenen Jahr die Abschiebungen von rund 2.000 Personen begleitet. Erneut sei eine steigende Zahl von Schutzbedürftigen betroffen gewesen wie Familien mit Kindern, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Personen in Ausbildung oder Arbeit, sagte Melisa Ergül-Puopolo anlässlich der Veröffentlichung des Tätigkeitsberichts 2025 am Freitag in Frankfurt am Main.

So hätten medizinische Behandlungen und laufende Therapien durch Abschiebungen abgebrochen werden müssen. „Ein generelles Problem bleiben kurzfristig angesetzte Abschiebungen oder Maßnahmen mitten in der Nacht, insbesondere wenn Kinder betroffen sind.“ Betroffene würden teilweise unzureichend informiert über den Ablauf und den Zielstaat, was Ängste auslöse. Wenn Abschiebungen scheiterten, würden Betroffene häufig am Flughafen entlassen, ohne einen Rücktransport zu organisieren. Sinnvoll wäre eine Entlassung mit einer Fahrkarte.

Extreme psychische Belastungssituation

Der Bericht bescheinigt der Bundespolizei „einen weitgehend professionellen und respektvollen Umgang mit den Betroffenen“, sieht aber bei den zuführenden Behörden der Länder „weiterhin deutlichen Verbesserungsbedarf“. Fachstellen des Bundes und der Länder sollten stärker in die Planung von Abschiebungen einbezogen werden und Behördenmitarbeitende sollten stärker für besondere Schutzbedarfe sensibilisiert werden, empfiehlt der Bericht. Abschiebungen würden Betroffene oft in extreme psychische Belastungssituationen bringen, da die Hoffnung auf ein Bleiberecht abrupt ende und die Angst vor der Rückkehr in unsichere Herkunftsländer wachse.

Im vergangenen Jahr wurden laut dem Bericht knapp 22.800 Personen aus Deutschland abgeschoben, davon knapp 7.700 vom Frankfurter Flughafen (2024: knapp 20.100 Abschiebungen). Knapp 5.400 Abschiebungen betrafen Überstellungen in andere EU-Staaten. Knapp 1.600 Abschiebungen bundesweit scheiterten.