Schleswig-Holstein stimmt für neue Bestattungsform Reerdigung

Schleswig-Holstein stimmt für neue Bestattungsform Reerdigung
Der Kieler Landtag hat am Donnerstag eine Änderung des Bestattungsrechts beschlossen. Damit ist Schleswig-Holstein das erste Bundesland, das die Reerdigung dauerhaft als dritte Bestattungsform legalisiert.

Kiel (epd). Schleswig-Holstein führt als erstes Bundesland die Reerdigung als dritte Bestattungsform ein. Der schleswig-holsteinische Landtag beschloss am Donnerstag die Gesetzesänderung einstimmig. Das beschleunigte Verfahren zur Verwesung eines Leichnams steht nach einer vierjährigen Pilotphase nun gleichberechtigt neben der Erd- und Feuerbestattung.

Justizministerin Kerstin von der Decken (CDU) betonte in ihrer Rede die Unbedenklichkeit des Verfahrens für Mensch und Umwelt. Die Universität Leipzig hatte die Pilotphase durch engmaschige Probengewinnung begleitet. Schwermetall- und Schadstoffwerte hätten durchgehend unter den maßgeblichen Grenzwerten gelegen, sagte von der Decken. Sie freue sich, dass Schleswig-Holstein auf dieser wissenschaftlichen Grundlage mit einer neuen Bestattungsart dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung trage.

Besonders ökologische Form der Bestattung

Bei der Reerdigung wird der Körper der verstorbenen Person in einem sargähnlichen Kokon in 40 Tagen zu Erde transformiert, die dann in einem Sarg oder Tuch auf Friedhöfen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg beigesetzt werden kann. Übrig gebliebene Knochen- und Zahnreste werden gemahlen und der Erde wieder zugefügt.

Der Anbieter dieser Bestattungsform, das Berliner Unternehmen „Meine Erde“, wirbt damit, dass es sich um eine besonders ökologische Form der Bestattung handele.

Pilotphase ging am 7. Juni zu Ende

Der Gesetzesänderung war eine mehrjährige Pilotphase vorangegangen. Im Februar 2022 war die Bestattungsform mit einer behördlichen Duldung auf dem Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde in Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg) an den Start gegangen.

Ein Jahr später kam eine Kapelle auf dem Kieler Parkfriedhof Eichhof als Standort hinzu. Mehr als 80 Verstorbene aus 14 Bundesländern wurden inzwischen in Mölln und Kiel reerdigt. Am 7. Juni war die Pilotphase zu Ende gegangen.