Absage von Friedman-Auftritt: "Bankrotterklärung" und "Schaden"

Absage von Friedman-Auftritt: "Bankrotterklärung" und "Schaden"
Knobloch und Spaenle kritisieren Bayreuther Festspielleitung
Michel Friedman sollte zur Eröffnung der 150. Bayreuther Festspiele sprechen. Doch die Festspielleitung sagte den Auftritt aus Sicherheitsbedenken ab. Die Kritiker - darunter Charlotte Knobloch und Ludwig Spaenle - werden lauter.
18.06.2026
epd
Von Christiane Ried (epd)

Bayreuth, München (epd). Die Kritik an der Leitung der Bayreuther Festspiele, die einen Auftritt des Publizisten Michel Friedman abgesagt hat, wird lauter. „Diese Absage ist auf jeder Ebene eine Bankrotterklärung“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, am Donnerstag. Bei der vermeintlichen Verschiebung handelte es sich faktisch um nichts anderes als eine Ausladung Friedmans durch die Festspielleitung, durch die Begründung „Sicherheitsbedenken“ werde die Verantwortung obendrein noch Friedman zugeschoben. „Mir fehlen die Worte, um meine Wut und Enttäuschung auszudrücken“, sagte Knobloch. Auch der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle zeigte sich „deutlich irritiert“.

Der deutsch-französische Publizist Michel Friedman, früherer stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, sollte zum Auftakt der 150. Bayreuther Festspiele über Antisemitismus, den Komponisten Richard Wagner und die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Festspiele sprechen. Der Öffentlichkeit war die Veranstaltung nicht bekannt, weil sie weder im Festprogramm stand, noch ein Vorverkauf stattgefunden hatte.

„Einer der bedeutendsten Intelektuellen“

Erst die Berichterstattung der „Süddeutschen Zeitung“ Anfang der Woche machte darauf aufmerksam. Geplant war demnach ein Gedenkkonzert am Vormittag des 26. Juli. Zusätzlich zur Eröffnungsoper „Rienzi“ mit zahlreichen prominenten Gästen könne man dieses sicherheitstechnisch nicht stemmen, hieß es laut der Zeitung von den Festspielen zur Begründung der Absage.

Knobloch erklärte: „Michel Friedman ist einer der bedeutendsten Intellektuellen, die wir in diesem Land haben.“ Sein Wort habe Gewicht, und gerade zum Auftakt dieses Jubiläums hätte es noch schwerer gewogen, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden. Dass die Leitung ihm an dieser hochsymbolischen Stelle eine Bühne erst anbiete und dann unter fadenscheinigem Vorwand wieder entziehe, sei unprofessionell und würdelos. Mit diesem Vorgehen habe die Festspielleitung eine Gelegenheit zur Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit nicht nur verpasst, sondern „auch für die Zukunft erheblich erschwert“.

Antisemitismusbeauftragter reagiert mit Unverständnis

Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Spaenle teilte am Donnerstag mit, die Absage sei unverständlich. Es sei möglich, die Sicherheit für eine solche Veranstaltung zu gewährleisten, widersprach Spaenle der Festspielleitung und deren Argumentation um Sicherheitsbedenken. Die Stadt Bayreuth engagiere sich bewusst in der Aufarbeitung der historischen Belastung; auch am Grünen Hügel gebe es Anstrengungen, zu denen auch die Gedenkveranstaltungen mit gehören, sagte Spaenle weiter.

Wenn man eine so wichtige Veranstaltung wie diese Gedenkveranstaltung an diesem historischen Ort verschieben müsse, müssten die Gründe exakt und absolut nachvollziehbar dargelegt werden. „Die Veranstalter müssen sich über die Folgen einer möglichen Terminverlegung im Klaren sein: Die Aufmerksamkeit zu einem Zeitpunkt außerhalb der Festspielzeit und damit auch die Zahl der Besucherinnen und Besucher dürfte dann deutlich geringer ausfallen.“ Das schade dem Anliegen einer kritischen Aufarbeitung erheblich, mahnte Spaenle.

Friedman fühlt sich „für dumm verkauft“

Für Friedman selbst sind die Sicherheitsbedenken nur vorgeschoben. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er: „Ich mag es nicht, wenn man die Öffentlichkeit und mich für dumm verkauft.“ Das Gedenkkonzert und die spätere „Rienzi“-Premiere hätten nicht im selben Gebäude stattfinden sollen. „Und die Festspiele sind nicht in der Lage, sich um zwei Veranstaltungsräume im Abstand von mehreren Stunden zu kümmern?“, fragte Friedman. Auch dass kein Vorverkauf für die Veranstaltung gestartet worden sei, zeige, dass die Entscheidung, ob man die Veranstaltung überhaupt mache, schon lange infrage stehe.